Hotel Palácio Estoril*****: wohnen wie James Bond

Wer für die Golfreise ein traditionsreiches Hotel mit viel britischem Flair sucht, ist im Palácio genau richtig. Ian Fleming hat 1952 hier seinen James Bond ersonnen, gekrönte Häupter Europas betteten ebendiese dort in weiche Kissen. Heute ist das Haus immer noch in Familienbesitz und vielleicht deshalb so persönlich.

Das Entrée unter Säulen. Wo der Doorman einst aus hochherrschaftlichen Karossen edle Schrankkoffer hievte, steht nun mein kleiner Leihwagen, und der Herr in königsblauer Livree entnimmt mein Gepäck wohl mit der selben Grandezza. Der Empfang im Palácio ist so herzlich, als wäre ich seit Jahren Stammgast. Dabei wohne ich das erste Mal hier, bin überhaupt das erste Mal in Estoril, weil ich die fünf um den Badeort gelegenen Golfplätze spielen möchte. Das Palácio stand seit Jahren auf meiner Liste, die vielen Histörchen rund um das ehrwürdige Hotel hatten mich neugierig gemacht, auch, weil ich englisches Flair in Kombination mit Golf besonders stimmig finde.

Haus mit Geschichte

Blankpolierter Steinboden, schwere Vorhänge, wunderschöne Möblagen empfangen mich schon in der Halle. Links nebenan ein gediegener Salon, in dem jetzt am Nachmittag Tee serviert wird, rechts die schummrige Bar. In den Gängen des 1930 erbauten Hotels hängen unzählige Schwarzweißfotos berühmter Gäste, meist adelig, die im Palácio gewohnt oder gefeiert haben. Die portugiesische Aristokratie verbrachte ihre Sommer im (damals) mondänen Badeort Estoril. Im 2. Weltkrieg blieb Portugal neutral und das Palácio wurde Zufluchtspunkt des europäischen Adels, aber auch Aufenthaltsort internationaler Spione. Sie inspirierten einen gewissen Ian Fleming, ebenfalls Langzeitgast im Palácio und Schriftsteller: 1952 erfand er James Bond in seinem ersten Roman „Casino Royale“. Szenen des Films „Im Geheimdienst ihrer Majestät“ mit James Lazenby und der wundervollen Diana Rigg wurden 1968 im Palácio und im Casino nebenan gedreht.

James-Bond-Martini: please, no!

„Geschüttelt nicht gerührt“ bestelle ich nach dem Kofferauspacken am frühen Abend in der Bar selbstverständlich jenen James-Bond-Vodka Martini, wie er in der Karte steht: Gin, Vodka, Lillet Blanc, Eis. Nicht besonders originell, gebe ich zu, und kriege vom Barkeeper prompt einen dezenten Seufzer: „Wenn ich mir erlauben darf: niemand, Madam, sollte Vodka und Gin kombinieren. Und das Schütteln macht den Cocktail nur trüb“, sagt er düster. „Darf ich Ihnen stattdessen einen Espresso Martini vorschlagen?“ Er darf, und wir kommen ins Plaudern, um diese Jahreszeit ist noch nicht viel los. Aber sonst! Die Banketts! Die Feste! Die Gäste!

Das Palácio zum Wohnen

Ich begebe mich früh auf mein Zimmer, schließlich will ich für die erste Runde nach dem Winter morgen am hoteleigenen Golfplatz ausgeruht sein. Es gibt bestimmt moderne Hotels in der Gegend mit trendy ausgestatteten Zimmern, Infinity Pool am Dach und chicen, unterkühlten Bars. Im Palácio wohnt man traditionell mit viel Holz und ein wenig rotem Samt – vor allem aber mit Lichtschaltern und Lampen, die man ganz einfach ein- und ausschalten kann, ohne eine Zimmerbeleuchtungssoftware knacken zu müssen. Ich habe einen winzigen Balkon mit Blick auf Garten und Pool, und abends leuchtet die Schrift des berühmten Casino Estoril durch die Palmenblätter.

Wie schon erwartet hochelegant begrüßt mich der große Salon für das Frühstück, auch wenn ich schon in Golfkleidung auftrete. Schwarzweißer Boden, Säulen, und ein Buffet, das schier alles bietet, was Menschen morgens verzehren mögen. Ich bin keine große Frühstückerin, genieße aber das Ambiente und erfreue mich am exzellenten Service. Kaffee wird hier selbstverständlich noch serviert, und kaum ist der Boden meiner Tasse sichtbar, nachgeschenkt.

Überhaupt der Service: So professionell, freundlich und ja, persönlich, bin ich noch selten behandelt worden. Ds gilt auch für das Restaurants mit Blick auf den Pool, in dem ich nachmittags nach der Runde eine Kleinigkeit esse. Die Scones als Nachtisch kommen frisch gebacken und noch warm auf meinen Tisch und sind einfach ein Genuss.

Das Palácio und Golf

Dazu lest bitte meine Beiträge im Einzelnen. Nur so viel: Der Golfplatz Estoril gehört zum Hotel und wird halbstündig geshuttelt. Vier weitere Plätze sind innerhalb von 20 Minuten mit dem Auto zu erreichen, die ich euch in dieser Reihenfolge empfehle: Oitavos Dunes, Penha Longa, Quinta da Marinha und Pestana Beloura.

Und sonst?

Das Hotel ist idealer Ausgangspunkt für einen Besuch Lissabons, auch mit dem Zug. Cascais erreicht man über die Strandpromenade sogar zu Fuß (und vor allem die tollen Fischlokale dort). Die UNESCO-Stadt Sintra ist etwa 25 Minuten entfernt, war aber leider selbst in der Nebensaison heillos überfüllt. Ein Besuch frühmorgens wäre wahrscheinlich angebracht. Schön auch: die Küstenstraße nach Norden fahren, mindestens bis Guincho, die beeindruckende Sandbucht mit Dünen und dramatischer Brandung (und auch dort wieder: Fisch essen!).

DAS MUSS EINMAL GESAGT WERDEN: Ich bekomme keinerlei Gegenleistung für meine Berichte im Blog. Nicht einmal einen Gratis-Espresso oder einen Gratis-Golfball. Was ihr hier lest, ist meine ehrliche Meinung. Immer.

palacioestorilhotel.com

Das Entrée
Der Teesalon
Die Bar

Hinter Pool und Palmen das Casino Estoril
Frühstücken wie eine Königin
Ein Snack nach der Golfrunde

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