Nockberge – das klingt schon irgendwie nach steilen Bahnen. Doch davon gibt es in Bad Kleinkirchheim genau genommen nur fünf. Auf 1.100 Metern Seehöhe spielt man meistens auf sanft ansteigenden welligen Fairways und genießt die Berge in der Ferne.
Ohne Franz Klammer ist Bad Kleinkirchheim undenkbar. Schon im Clubhaus hängt das Konterfei der beliebten österreichischen Ski-Legende, die hier Ehrenmitglied ist, Klammer ziert die Website und auch die Scorekarte. Anwesend ist er heute leider nicht, ich bin völlig allein frühmorgens, habe den steilen Aufstieg vom Parkplatz zum Clubhaus geschafft und genieße den Blick auf den 1. Abschlag. Dem Platz eilen im Netz Mythen voraus, die sich um laaange Wege, enge Bahnen und Autolärm auf den ersten Neun ranken. Na, schauen wir uns das einmal genauer an.
Erstens: Der Start ist angenehm, die ersten Löcher spielen sich auf wellig grünen Fairways sanft bergauf und leicht bergab. Platz ist nur scheinbar genügend, denn Birken, Föhren und die jetzt Ende Mai hier heroben erst grün werdenden Lärchen säumen die Bahnen. Dazwischen, als hätte man sie einfach so hingestreut, malerische Holzschober – rundherum in jeder Richtung Berge, jetzt noch mit ein bissl Schnee drauf.
Gebirgsbäche ohne Ende
Zweitens: Wie viele Gebirgsbäche gibt es hier eigentlich? Schon auf der 1 quert einer munter gurgelnd die Bahn und weitere sollen folgen – fast auf jedem der ersten neun Löcher kommt das schmale Wasser ins Spiel und zwingt mich manchmal, vorzulegen. Auf der 3 etwa, weil mein Teeshot zu kurz ist. Auf der 4, leicht hügelan. Erstmals steiler bergab spielt sich das Par 3 der 5, ohne Bach. Das drittschwerste Loch ist eine Augenweide und fällt mir erstaunlich leicht, nichts stört hier den Schlag auf das Grün. Drittens: Jetzt spiele ich direkt an der Straße, die die ersten Neun begleitet, mich stört der angebliche Autolärm aber so gar nicht. Vielleicht ist sie jetzt in der Vorsaison nicht nicht so stark befahren, vielleicht aber liegt es daran, dass ich mich auf mein Spiel konzentriere und zwischendurch das Bergpanorama und die blühenden Löwenzahnwiesen zwischen den Bahnen genieße.
Bahn 6 ist trickreich, weil ein Bach längs verläuft und einer später quer vor dem Grün. Äußerst gelungen finde ich die 8, die sanft bergauf führt und mit einem gut bunkerbewachten erhöhten Grün endet. Die Wolkenstimmung ist gerade dramatisch, meine Putts sind es auch, die Grüns generell langsam. Nach den vielen Regenfällen der letzten Wochen sind heute die Greenkeeper unterwegs, froh, endlich mähen zu können, verschwinden aber, sobald sie meiner ansichtig werden, scheinbar spurlos. Die 9 Richtung Clubhaus zeigt, was sie als Hcp 1 kann: leicht bergab erst und nach links hängend, rechts kein Platz, 415/363 Meter lang und ein Par 4! Vor dem Grün liegen ein Teich und davor ein winziger Gebirgsbach. Den Teich lasse ich aus…
Von sehr schmal bis sehr breit
Oberhalb vom Clubhaus liegt das Tee der 10, man schaut hinunter auf das Grün des Par 4, rechts der Waldhang, links der Abhang. Wer hier das Fairway trifft, hat schon einmal viel gewonnen. Die 11 dann ebenso steil bergab, ein sehr schönes Par 3 vom Mattenabschlag, das mir nach dem Desaster auf der 10 mit einem Par gut gelingt. Ab der 11 kommt dann der oft zitierte lange Waldweg zum nächsten Abschlag, und der zieht sich wirklich. Wer nicht gehen mag, kann sich im Clubhaus für die Back Nine ein Cart bestellen, manchmal gibt es angeblich auch einen Shuttle. Serpentinen führen hinunter zum Tee der 12 mit listigem Abschlag auf das tief unten querliegende Fairway. Hat man den einmal geschafft und den querenden Bach auch, kommen einige Bahnen zum Entspannen. 13, 14, 15, 16 gehen völlig eben dahin, sind zum Teil wirklich sehr breit und haben nur ein paar verlorene Bunker zwischendurch. Der Teich vor dem Grün der 14 ist ein schönes Fotomotiv, liegt spielerisch aber günstig, wenn man sich rechts hält.
Das schmale Ende
Konditionell auf den letzten Bahnen wenig belastet, hat man jetzt einen langen Bergaufweg vor sich, der mitten im Wald endet, vor einem kurzen Par 3: die 17, auch hier Mattenabschläge. Die 120/108 Meter sind nicht das Problem, die Schwierigkeit liegt in der Optik! Durch den Wald geht es wieder lange zurück Richtung Clubhaus, vor dem man noch die 18 überwinden muss. Das Par 4 führt bergauf zum sehr hoch gelegenen Grün, das dafür völlig ohne Bunker auskommt. Nach dem letzten Putt des Tages kommt man am wohl bekanntesten Fotomotiv vom Bad Kleinkirchheimer Golfplatz vorbei: dem Mühlrad. Wie sehr freue ich mich auf ein Getränk auf der sonnigen Clubhausterrasse, die hat Ende Mai aber leider noch geschlossen. Muss im Sommer, mit Blick auf die 1, die 9 und die Nockberge aber wunderschön sein.
Mein persönliches Fazit
Bad Kleinkirchheim sollte man sich schon der Landschaft wegen gönnen – das Panorama hier ist einfach wunderbar! Der Platz ist bis auf wenige sehr schmale Löcher durchaus entspannt zu spielen. Die sehr (!) langen Wege auf den Back Nine machen ein Cart sinnvoll, das kann man aber auch nur für diese 9 Bahnen buchen.
Mehr Golf in Kärnten? Dann lies bitte auch Millstätter See
















Hallo, das ist wieder ein toller Blog, ich lese dein Berichte immer sehr gerne. So schön beschrieben, dass man sich den Golfplatz sehr gut vorstellen kann.
Freue mich schon auf den nächsten Blog.
Liebe Grüße Marietta 🏌️🏌️
LikeGefällt 1 Person
Das freut mich sehr, dankeschön!
LikeLike
Oh ja, mit Hanglagen kenne ich mich mittlerweile auch aus 🙈 Waren letzte Woche in Berchtesgaden….. da gehts munter rauf und runter und schräg 🤣🏌️
LikeGefällt 1 Person