Rund um St. Andrews / Crail – Craighead Links: die große Freiheit

Die Grafschaft Fife ist eine DER schottischen Golfregionen. Über St. Andrews reden selbstverständlich alle – allerdings wartet die Halbinsel mit einer ganzen Reihe spektakulärer Küstenplätze auf. Zum Beispiel an der Ostküste: scheinbar endlos breite Fairways, ein paar alte Steinmauern, das Meer ganz nah und Wind um die Nase – das ist Craighead Links, der jüngere der beiden Plätze von Crail. Wenn sich über all dem noch der tiefblaue schottische Himmel wölbt, dann passt einfach alles.

Also das Sommerfeeling auf den Fotos täuscht – warm war es Mitte Juni nicht wirklich. Der flotte Wind und Vormittagstemperaturen um die 12 Grad lassen uns zum Mützchen greifen, was den schottischen Reiseleitern ein Grinsen abringt, die ab doppelstelligen Temperaturen in kurzen Ärmeln und Hosen unterwegs sind. Erster Platzeindruck: herrlich breit, eine Golf-Autobahn liegt vor uns mit einem deutlichen Knick in der Mitte. Ganz easy, denken wir festlandeuropäische Parklandkursgewohnte, angesichts komplett fehlender Baumreihen rechts und links. Und trotzdem spielt sich die Bahn nicht von allein, ist das Rough nicht so harmlos wie es aussieht, muss man tiefen Topfbunkern ausweichen, die etwa das Grün bewachen.

Weit und breit und versteckte Bunker

Die verheißungsvolle Optik, böses Rough rechts und links und ein „wenig Wind“, wie die Schotten sagen, bleiben auf den nächsten Bahnen erhalten. Mal steht links eine einsame Windmühle, mal ist die Bahn von Gelb die schwierigste des Platzes, dann wieder eine andere die schwerste von Rot, mal blüht das Gras seitlich rosa, fast immer sieht man irgendwann das Meer. Klingt eintönig? Ist es aber ganz und gar nicht. Wind und Gelände und der harte Boden sorgen schon dafür, dass so mancher Ball nicht dort landet, wo man ihn haben möchte. Dass man in dem offenen Gelände Bunker so platzieren konnte, dass man sie nicht sieht, ist uns ein Rätsel. Und die Grüns sind – schnell und unscheinbar onduliert – eine absolute Herausforderung. Die 8 „Stringbag Alley“ („Einkaufsallee“), auf der es weder Geschäfte noch beidseitig Bäume gibt, führt leicht hügelan, ehe man auf der 9 sanft bergab Richtung Clubhaus abschlägt.

Mauern auf dem Fairway

Optisch leicht anders ist das taillierte Par 4 der 10, bei dem man in der Ferne tatsächlich eine Baumreihe ausmachen kann, die aber bei Näherkommen deutlich hinter dem Grün liegt. „The Muir“ heißt die 11 leicht bergauf, und endlich quert eine der alten Steinmauern, die man uns versprochen hat, das Fairway. Nicht sehr hoch, aber so, dass du absolut keine Freude hast, wenn dein Ball knapp davor landet. Also: gut überlegen, wie man das Loch anlegt. Erfolge sind uns auf dem Par 3 der 13 vergönnt, ehe wir auf die zweitschwierigste Bahn von Craighead treffen, die schon mal „Lang Man’s Grave“ heißt und ziemlich lang ist. Die Steinmauer quert diesmal schon beim Teeshot, ehe sich die 14 sanft am Meer entlang zu einem nicht allzu großen Grün biegt. Über links abkürzen wollen ist keine gute Idee.

Nach einer schier wundervollen Par-5-15, die zwischendurch nur eine klitzekleine Steinmauer queren hat, sollte man sich am Ende der 16 tunlichst rechts halten, um nicht im Topf-Grünbunker zu landen. Nach einem friedlichen Par 3 führt die 18 zurück Richtung Clubhaus und ist von Gelb ein Par 4, für uns ein Par 5. Die lieblich-geschwungene Bahn führt zu einem erhöhten, nicht sehr großen, teuflischen Grün.

Warm ist uns geworden, aber nicht soo warm, dass man die Runde auf einer Terrasse ausklingen lassen wollte. Terrassen sind hier in Schottland auch eher klein gehalten. Elegant das Clubhaus-Innere, indem ich wenig später giftige Blicke ernte, weil mein Handy klingelt. Ein No-Go in Schottland!!!! Ich eile hinaus vor die Tür – das Töchterchen in Wien hat Fragen – und komme nicht mehr hinein. Der Eingang ist mit Türcode gesichert. Kleiner Tipp: Gründungsjahr googeln!

Mein persönliches Fazit

Eigenwilliger, für Schottland sehr junger Purist, weil erst 1995 eröffnet, der leichter aussieht, als er ist. Man kann sich vorstellen, wie das Spiel hier an der Küste bei starkem Wind verlaufen muss. Pflege top, relativ rasante Grüns, und der permanente Meerblick ist einfach herrlich! GF um die £ 120. Schönes Clubhaus mit sehr guter Küche. Gleich nebenan liegt der zweite Platz von Crail, Balcomie Links, den wir allerdings nicht gespielt haben. Er ist etwa 100 Jahre älter und daher begehrter, wohl aber auch deutlich enger.

www.crailgolfingsociety.co.uk

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Yeah, denkt man am Tee der 1 – was soll mir da schon passieren? (Par 5)
„Windmill Corner“ – das Par 4 der 2
Die 4: ein Par 4 und das schwerste Loch von Gelb – ein Par 5 und das zweitleichteste Loch von Rot.
„Barracuda Way“, die 6, hat wiederum von Rot Hcp 1, von Gelb nur Hcp 13. Par 5 für Beide.
Pure Perfektion – perfekter Purismus: Grün, Meer und sonst nix (Bahn 7)
„Stringbag Alley“: ganz sanfter Anstieg auf dem Par 5 der 8, Rückenwind.
Ohne Worte.
Bahn 9 Richtung Clubhaus (Par 4)
Bahn 10 mit einem kniffligen Knick in der Mitte (Par 4)
Mit 280/250 Metern nicht lang, die 11, aber die Mauer quert ungünstig (Par 4)
Feines Par 3: die 13
„Lang Man’s Grave“: die lange 14 in sanftem Bogen am Meer entlang hat Hcp 2 (Par 4)
Dogleg: das Par 5 der 15
Bahn 16 „Isle of May“: rechts, rechts und noch einmal rechts! (Par 4)
Liebliche 18 mit teuflischem Grün – Par 4 von Gelb, Par 5 von Rot