St. Andrews Links – The Old Course: once in a lifetime!

Der Old Course von St. Andrews! Die Wiege des Golfsports! Wenigstens einmal im Leben dort spielen! Im Juni habe ich mir diesen Wunsch erfüllt, und ihr verzeiht mir den diesmal etwas längeren Text und die vielen Fotos. Das ist aber bewusst kein Fachtext – Details, Geschichte, Fakten kann man googeln. Das ist ein Text über die Atmosphäre von St. Andrews, wie ich sie erlebt habe. Tatsache ist: Auch mit höherem Hcp kann man den Old Course in Würde bewältigen und ein Erlebnis der Sonderklasse mitnehmen.

17. Juni, 8:20 Uhr, 9 Grad, kaum Wind. Dick eingepackt stehen wir beim Starterhaus und können unser Glück kaum fassen: endlich! Vom Parkplatz, der mitten zwischen Jubilee und Old Course liegt, haben wir die Bags hierher getragen – jetzt übernehmen die Caddies. Meiner kommt aus Neuseeland, heißt Tom, arbeitet aber schon seit ein paar Jahren hier, und versucht, mir die Nervosität zu nehmen. Und ja: Nervös ist wohl jeder, der hier erstmals aufteet. Mit mir in der Gruppe meine mitreisende Golffreundin, unsere Reiseleiterin Susanne und ein Amerikaner. Plus drei Caddies. Der Herr schlägt von Blau ab, wir Frauen von Grün.

Das Fairway liegt breit vor uns – eigentlich sind es zwei: links die 18, rechts die 1. Irgendwo wird mein Ball da schon landen, hoffe ich, und mein 1. Abschlag ist dann auch recht passabel. Mitten durch das Fairway führt eine kleine Straße – Spaziergänger mit Hunden auf dem Weg zum benachbarten Strand und Autos nehmen Rücksicht auf die Spieler, ehe sie queren. Auch das ist Schottland: Man ist höflich und achtsam. Immer. Durch die 1 schlängelt sich das einzige Wasserhindernis des Platzes, der Swilcan Burn, mal längs, mal quer vor dem Grün. Ein schmaler Kanal nur, allerdings bällefressend, wenn man so nervös ist wie ich. Tom fischt gekonnt meinen Ball aus dem Wasser, der eigentlich auf dem Grün hätte landen sollen. Das Grün ist eines der wenigen auf dem Platz, das kein Doppelgrün ist, sauschnell und mit Breaks, die nur das Caddieauge erkennt.

16 Personen auf dem Grün

Die nächsten Bahnen ähneln einander optisch sehr. Vom Tee aus sieht man meistens – nichts außer Gras. Jeder Caddie gibt seinem Schützlings Tipps je nach Spielstärke. Die Fairways sind zuweilen stark gewellt, beinhart, das Gras wirklich extrem kurz, um gut unter den Ball zu kommen. Divots gibt es fast nicht, die Bälle hinterlassen auch keine Pitchmarken auf den Grüns. Dafür besteht das Rough aus scheinbar feinem Dünengras, das sich listig zwischen Schlägerblatt und Ball drängt. Rescue nehmen und kräftig durchziehen, bewährt sich bei mir.

Ich merke bald, was in Schottland wohl anders läuft: Niemand geht ordentlich auf Spielhöhe mit dir, nach dem Schlag wird seitlich einfach zum eigenen Ball weitergelaufen. Gewöhnungsbedürftig für Festlandeuropäer:innen, denen man immer eingetrichtert hat, man möge schon aus Sicherheitsgründen nicht vor einen Spielenden laufen. Und: Es ist sehr viel Bewegung drin, wenn sieben Leuten auf der Runde sind. Bist du auf dem Grün, drückt dir der Caddie den Putter in die Hand und liest dann von mehreren Seiten die Puttlinie. Empfehlungen beherzigen – die zuweilen starken Wellen auf den Grüns, aber auch unsichtbares Uphill oder Downhill benötigen gute Planung! Und auf den Doppelgrüns ist was los, aber hallo! Zuweilen halten sich zwei Gruppen dort auf, macht im Höchstfall 16 (!) Personen. Geputtet wird aber ganz relaxed, verzieht man einmal den Annäherungsschlag zur falschen Fahne wie ich, darf man ohne schlechtes Gewissen den 50-Meter(!)-Putt zur richtigen machen: niemand regt sich auf, man lässt höflich den Vortritt. So gelingt mein langer Putt recht gut und braucht nur einen Folgeputt ins Loch.

124 Bunker – aber wo?

Die dunklen Wolken sind mehr geworden, und auf der 9 beginnt es zu regnen und der Wind frischt auf. „Liquid sunshine“ nennt das Susanne, die immer noch kurze Ärmel  trägt. Unsere Regenkleidung wird belächelt, immerhin halten die Caddies schützend Schirme über uns und wischen die Schlägergriffe trocken. Die 9 heißt End und war das früher einmal auch, jetzt aber flüchten wir uns unter das Dach der Halfway. Dem Caddie gebe ich traditionell eine heiße Suppe aus. Witzig sind die Krähen, die nach der Halfway wie Haustiere neben uns herhüpfen und auf die Krümel vom Sandwich warten. Irgendetwas fällt hier wohl immer für sie ab. (Bagtaschen übrigens immer geschlossen halten! Wer gerade konzentriert puttet, wird schon mal von den Vögeln bestohlen.)

Der Regen macht mein Spiel nicht unbedingt leichter, dafür bin ich jetzt innerlich ruhig und habe mich an das erhöhte Personenaufkommen beim Spielen gewöhnt. Auch an den Amerikaner, der spielt, als wäre er allein auf dem Platz, dabei aber sehr freundlich ist. Seine Verhandlungen mit dem Caddie dauern am Tee oder am Grün minutenlang („Uphill!“ – „No, it’s downhill, believe me.“) Susanne achtet aber penibel auf unsere Spielgeschwindigkeit. Langsam sein ist ein No Go. Ohne Caddie-Anweisungen täte ich mir schwer. Praktisch hinter jeder Welle, hinter jedem Grasbüschel lauern tiefe Bunker – 124 insgesamt. Das Problem: Man sieht sie fast nie, sieht man von den Topfbunkern um die Grüns herum ab, aus denen das Herauskommen wirklich schwierig, aber immerhin machbar ist. Seitlich oder sogar gegen die Spielrichtung herausspielen wird dringend empfohlen. Das kostet ein bisschen Stolz, spart aber Bunkerschläge gegen die Steilwand.

Publikum und ein Hotel-Logo

Wie es sich für einen traditionellen schottischen Kurs gehört, spielt man die Back Nine auch wirklich exakt in Gegenrichtung zurück. Unglaublich, wie eng die Bahnen auf diesen alten Kursen beieinander liegen, oft sind es vom Grün nur wenige Schritte zum nächsten Tee. Die Struktur der Bahn schaffen oft nur die ungemähten Flächen. Ich versuche wirklich, mich weiterhin an Toms Anweisungen zu halten, um ganzen Bunkerketten oder einzelnen Topfbunkern tunlichst auszuweichen, was aber nicht immer gelingt. Immerhin lasse ich den monströsen Hell Bunker auf der 14 aus. „Halte dich an den Kirchturm“, sagt Tom auf der 15 und deutet weit in Richtung St. Andrews. Dass auf der 16 rechts Out of Bounds droht, sehen wir dann alle selbst. Links muss man auch aufpassen, warnen die Caddies, weil: ein Bunker nach dem anderen.

Den Blick vom Tee der 17 kennen alle, die den Old Course schon im TV gesehen haben: rechts das Hotel, die Bahn in Rechtsbiegung drumherum, und die Pros kürzen direkt über das Hotel-Logo ab. Meine Freundin (Hcp 11) wagt das auch – erfolgreich. Ich spiele links rum, nehme den kräftigen Bounce vom Weg zu Hilfe, und der Ball landet nach einem langen Roll fein auf dem Fairway. Das ist gut so, denn ab jetzt haben wir Publikum! Rechts der Bahn sind jede Menge nichtgolfender Touristen und filmen und fotografieren. Auch auf der Swilcan Bridge, dem berühmtesten Brückerl der Golfwelt. Einer unser Caddies muss sie wegscheuchen, weil wir auf der 18 ja über die Brücke abschlagen. Natürlich lassen wir uns alle dort oben fotografieren, die Caddies leisten geduldig auch hier ganze Arbeit.

Und dann geht es endgültig die 18 zurück, in mir macht sich so etwas wie Euphorie breit. Das ist der berühmte Anblick, den man hunderte Male auf Fotos und im Fernsehen gehabt hat. Das Aus rechts ist ein weißer Holzzaun zur Straße, und dort parken erstaunlicher Weise Autos. Mir gelingt ein schöner hoher Schlag auf das Grün, die Menschen hinter der Begrenzungsmauer zur Straße applaudieren. (Von dort aus lässt es sich übrigens wunderbar über die hereinkommenden Gruppen lästern, ich sag’s nur 😉 Noch einmal lesen unsere Caddies die Puttlinien, und dann ist sie geschafft: die Runde auf dem Old Course.

Mein persönliches Fazit – und ein paar Tipps außerhalb von Golf diesmal

Eine Runde auf dem Old Course ist einfach ein unbeschreibliches Erlebnis. Nicht der Platz an sich – da gibt es schönere. Sondern das ganze Drumherum. Gänsehaut am 1. Tee. Nehmt euch einen Caddie, das gehört in St. Andrews einfach dazu. Die 100 Pfund sind wirklich gut investiert. Geht vorher ins St. Andrews Links Clubhouse und dort hinauf auf die Terrasse mit 180 Grad Blick über die Plätze und auf die bekannte Skyline. Schaut euch die Universitätsstadt St. Andrews an, bummelt durch die hübschen alten Gassen mit Steinhäusern, Geschäften und Lokalen, besucht den Graduation Court der Uni (dort haben übrigens William und Kate studiert…). Und ja, shoppt in den vielen großen und kleinen Läden rund um die Plätze Golfbekleidung und Souvenirs. (Je weiter weg vom Old Course, umso günstiger 😉

Wie kommt man zu einer Startzeit auf dem Old Course?

Man kann natürlich frühmorgens zum Starter gehen und warten, ob jemand ausfällt und man einspringen kann. Das wollen aber Viele, und nächtigen, um der Erste zu sein, ist nicht mehr erlaubt. Oder man trägt sich auf der Homepage 48 Stunden vor dem Wunschtag für die Ballot ein, die Verlosung, und hofft, dass man gezogen wird. GF in der Hochsaison £ 320.

Meine Freundinnen und ich gingen lieber auf Nummer Sicher und buchten eine Woche Arrangement rund um den Old Course bei Susanne und Holger von www.golfinscotland.de Das deutsche Paar wohnt seit Jahren in der Gegend und stellt so eine Golfwoche ganz nach Wunsch zusammen, berät aber auch. Wir haben allerdings bereits eineinhalb Jahre vor dem Wunschtermin angefragt! Dafür bekommt man dann die Startzeit am Old Course zugeteilt, und die Beiden stricken drumherum die Teetimes auf anderen Plätzen. Sie organisieren auch Caddies & Trolleys, sämtliche Transfers, Restaurantbesuche und Sightseeing. Sehr zu empfehlen, weil komplett stressfrei in jeder Hinsicht.

standrews.com

Neben dem Old Course liegt der Jubilee Course, auch den haben wir gespielt. Golfen rund um St. Andrews? Lies bitte auch Crail – Craighead Links und Lundin! Und über den Schönsten von Fife: Kingsbarns

Noch mehr Golf in Schottland? Dann lies bitte Gleneagles – King’s Course!

Hier geht es los: Tee 1 voller aufgeregter Menschen plus Caddies
In das Clubhaus des Royal and Ancient Golf Club kann man leider nicht.
Der erste Blick auf den Platz. Die 1 vom grünen Tee: ein Fairway für die 1 (rechts, dort stehen bei den Open immer die Tribünen) und die 18 gemeinsam
Teuflischer kleiner Bach, der Swilcan Burn, das einzige Wasserhindernis am Old Course auf der 1 (und 18)
Man sieht, dass man nichts sieht. Bahn 2 – Par 4 von Blau, Par 5 von Grün
Sapperlott, sind das Wellen! Caddies lesen das Grün der 2
„Links halten“, rät der Caddie auf der 3, rechts drohen nämlich gleich mehrere Bunker  (Par 4)
Umdrehen und den Blick genießen!
Gras, Hügel, versteckte Bunker: man höre auf die Caddie-Tipps auf der 4 (Par 4/5)
Doppelgrün auf der 5, relativ wenig los hier
Ohne Caddie weiß man gar nix auf der 6 (Par 4)
Die Mitte der 7: Hier sieht man gut, wie gewellt das Gelände ist, und was sich vor den Grüns so abspielt…
Glück gehabt! Topfbunker in der Einflugschneise zum Grün der 8 (Par 3)
Einsames Grün mit Wolkenstimmung: Man muss auch einmal innehalten und genießen
Auch auf der 10 lauern unzählige Bunker (Par 4). Die grünen Hütchen verstecken alte Grenzsteine
Sanddünen als Fairway im Regen, dazwischen tiefe Bunker
Rechts oder links? Der Caddie hilft je nach Spielstärke mit der Entscheidung. Spielen muss man allerdings selbst 😉
Der Hell Bunker auf der 14 – dafür scheint wieder die Sonne
Samtig. Und viel los auf dem Grün!
„Halte dich an den Kirchturm“, sagt Tom am Tee der 15… (Par 4) Achtung, es gibt zwei davon.
Rechts droht Out of Bounds auf der 16, dafür lauert links eine Reihe an Bunkern (Par 4)

Der spektakuläre Abschlag der 17: Pros und Longhitterinnen wie meine Freundin wagen den Schlag über das Hotel-Logo – ich spiele links herum
Da ist sie: die 18 und die berühmte Swilcan Bridge

Erhebender Anblick der berühmten Skyline hinter der 18. Rechts hinter dem Zaun parken erstaunlicher Weise Autos…

Noch einmal Puttlinien lesen: am Grün der 18
Überblick: so wenig Land reichte für so viele Golfkurse.

 

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