St. Andrews Links – Jubilee Course: schwierige Stunden in den Dünen

Von den St. Andrews Links ist der Jubilee Course jener ganz rechts außen – von der Stadtseite her betrachtet. Viel Platz ist nicht. Rechts der Strand, links der New Course, daneben der Old Course. Das Gelände ist komplett flach, aber zuweilen stark gewellt, Struktur schafft lediglich das Dünengras. Klingt easy? Ist es aber nicht.

Mützenwetter für Festlandeuropäerinnen. Windig, mit 12 Grad sehr kühl und düster ist es am Juninachmittag, als wir am Parkplatz von St. Andrews Links ankommen. Diesmal kein Schleppen des Bags zum Abschlag – das 1. Tee ist gleich nebenan. Ein gelangweilter Caddiemaster deutet im Souterrain des Clubhauses träge auf unsere Leihtrolleys. Yards auf Meter umstellen schaffen wir auch selbst.

Scheinbar breit liegt dann die 1 vor uns, die Fairwaybunker sind erst zu sehen, wenn es zu spät ist, aber das kennen wir mittlerweile schon. Reiseleiterin Susanne von golfinscotland.de macht uns (kurzärmelig) den Caddie. Bei den Topfbunkern rät sie uns auch diesmal, in Betracht zu ziehen, seitlich oder sogar nach hinten rauszuspielen… In der windigen-welligen Ebene kommt dann auf der Zwei etwas ins Spiel, das in den Links selten ist: ein Baum. Gemeinsam mit dem Bunker vis-à-vis sorgt er für eine lästige Engstelle auf dem Weg zum Grün.

Optisch harmlos, aber…

Die nächsten Bahnen ähneln einander optisch vom Abschlag aus. Struktur schafft das hohe Gras, das die Fairways einrahmt oder auch teilt wie auf der 4. Der Wind pfeift uns um die Ohren, und auch wenn scheinbar immer genügend Platz da ist, verirrt sich so mancher Ball im Rough. Und das ist böse mit langen, sehr dünnen Halmen, und kostet Länge. Rescue raus und kräftig durchziehen hilft mir. Erfreulich ist das lange Rollen der Bälle auf den harten Fairways – allerdings nicht immer, denn die hängen klarerweise Richtung Bunker. Und davon gibt es eine Menge. Vor allem auch um die Grüns, die sehr schnell, gefinkelt onduliert und ziemlich schwierig zu spielen sind. Mein Putter lässt mich aber nicht im Stich und langsam habe ich ein Gefühl für die schottischen Greens entwickelt.

Am Abschlag stehst du zuweilen und denkst dir: heißa, breite Bahn, bissl Gras, was kann mir schon passieren? Weit gefehlt. Gäbe Susanne uns je nach Spielstärke nicht die Strategie vor, wären unsere Schwierigkeiten noch größer. Bis auf zwei sind alle Bahnen auf dem Jubilee Course für Herren und Damen unterschiedlich gerated. Unsere Gruppe ist durchwegs weiblich – die gefühlte Schwierigkeit ergibt sich für uns weitgehend durch ins Rough verzogene Schläge, die dann ausgemerzt werden müssen. Sehr schön die Annäherung auf das Grün der 8, bei der man sich einen der drei umgebenden Hänge zunutze machen kann. Optisch klasse: das Par 3 der 9!

Schön schwerer: die Back Nine

Ab der 10 dreht der Platz, wie es sich für einen echten Schotten gehört, retour, und so hat man nun meistens die Skyline von St. Andrews vor Augen. In die Gegenrichtung spielt sich das Par 5 der 11, und hier kommt der zweite Baum des Platzes beim Teeshot ins Spiel – oder eben nicht. Verräterisch breit beginnt die 12, sollte aber präzise enden, weil das Grün gut bewacht ist. Leider setzt jetzt der Regen ein. Ich bin so beschäftigt mit Regengewandanziehen, Hände trocknen, Susannes Ratschläge befolgen, dass zum Fotografieren keine Zeit bleibt. Gespielt wird nämlich zügig. Warten gibt es nicht, von den Grüns sind es nur ein paar Schritte zum nächsten Abschlag und weiter geht’s.

Regenschauer sind in St. Andrews oft eine kurze Angelegenheit, und so spielen wir ab der 15 schon fast wieder trocken. Was für eine Bahn! Ziemlich schmal mit Hügeln rechts, Sackgasse links, leicht bergauf, vorne tailliert und wellig, das Par 4. Außerdem mit einem für mich schwierig anzuspielendem erhöhten Grün am Ende. Die 16 beginnt schmal durch eine Schneise, der Ball sollte nach rechts, aber nicht zu weit, sagt Susanne, sonst landet er auf einer Bahn des benachbarten New Course. Grünbunker bestimmen dann meine Scores auf der 17 (Par 3) und der 18. Einmal vier, einmal fünf davon sorgen dafür, dass ich am Schluss noch ganz schön ins Schwitzen komme, obwohl wieder Regen eingesetzt hat. Es ist ja auch Sommer. Und am Strand nebenan wird eifrig geschwommen…

Mein persönliches Fazit

Jubilee ist ein topgepflegter Platz, angeblich der schwierigste der St. Andrews Links. In der Hochsaison etwa £ 140 Greenfee. Für mich offenbart er ehrlicher Weise den Reiz der Dünenkurse von St. Andrews: Es gibt schönere. Der Old Course macht durch seine Geschichte und sein besonderes Flair wett, was an landschaftlichem Reiz fehlt, das gelingt Jubilee nicht. Manchmal steht man am Tee und denkt, ‚da waren wir doch schon…?‘ Von oben gibt die Linksgolflandschaft mit Meerblick hingegen eine Menge her, daher unbedingt auf das Dach des Clubhauses steigen und den Blick über St. Andrews genießen!

standrews.com

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Was soll hier schon Schlimmes passieren? Am Tee der 1, Par 4. Mit ein paar Bunkern und Dünengras…
Die gefürchteten Topfbunker. Seitlich oder gar nach hinten rausspielen empfohlen
Der einsame Baum an der Schmalstelle der 2 vor dem Grün (Par 4)
Bahn 4 bekommt durch Grasinseln Struktur und endet auf einem querliegenden Grün (Par 4)
Das Par 3 der 5: Fahne heute auf dem tieferliegenden Teil des Grüns. Die Bunker sind im Weg. Ein wenig.
Das Par 5 der 6: einer der fünf Bunker, die das Grün bewachen
Leicht rechts halten auf der 7 soll den besten Winkel zum Grün bringen (Par 4)
Linkscourse-Stimmung
Die drei Hänge, die das Grün der 8 umgeben, kann man für den Annäherungsschlag nutzen (Par 4)
Was für ein schönes Loch! Das Par 3 der 9
Zurück Richtung St. Andrews: das harmlos aussehende Par 4 der 10
Schon wieder ein Baum! Seltsamer Weise haben einige Bälle den Drang nach rechts. Der Wind wahrscheinlich (Par 5)
Die breite 12 – das dicke Ende kommt am Grün mit zwei Bunkern links (Par 5)
Großartige Bahn! Hügel rechts, kleiner Abgrund links und stark gewellt –  das Par 4 der 15
Aber mit einem „himmlischen“ Grün!
Am Tee der 16 eher rechts halten, aber nicht zu weit, sonst landet der Ball auf dem Nachbarkurs (Par 4/5)
Einfach Mitte Grün auf der 17 (Par 3) – oder in einen der vier Bunker