Auf den Dünen hoch über dem Atlantik bei Cascais weht, wie es sich gehört, ordentlich der Wind. Oitavos Dunes nennt sich Links Golf und bietet dieses Feeling auf 12 grandiosen Bahnen auch: brettharte, wellige Fairways und rasante Grüns in schlichter Vegetation zwischen Meer und Sintra Gebirge. Hier spielen macht einfach Riesenspaß.
Düstere Wolken noch am Morgenhimmel, aber das soll sich bald ändern, dafür wird der flotte Wind schon sorgen. Mein Bag findet sich nach dem Check-in im stylischen Clubhaus wie von Zauberhand (in Wahrheit ist es ein Lift) auf meinem Miet-Trolley einen Stock tiefer wieder. Netter Service: Kaffee und ausgezeichnete englische Cookies stehen kostenlos bereit, weil das Restaurant noch nicht geöffnet hat. Gestärkt begebe ich mich rechtzeitig auf den weiten Weg hinauf zum ersten Abschlag, wo mich der Starter nach einem Blick auf seine Liste mit Namen begrüßt. Der junge Mann aus Luxemburg studiert in Lissabon Sportwissenschaften und macht in Oitavos Dunes sein Praktikum. International geht es weiter; mit mir spielt Michael aus New York, der in der Gegend seinen „Alterswohnsitz“ bezogen hat. Und zwei Herren aus Deutschland, auf die wir bis nach unserer Startzeit höflich warten. Sie kommen schließlich jeder einzeln im Cart und fahren grußlos an uns vorbei zum blauen Abschlag. Die Herren sind Mitglieder und spielen. Jetzt. Ohne uns. Da nützen sämtliche Interventionen des Starters nix. Michael und ich nehmen das gelassen und kriegen lieber Tipps: „Extrem weit links halten auf der 1, das Fairway hängt stark“, rät der Starter. „Und ALLE unsere Grüns hängen Richtung Meer.“
Schnell bis zum Grün – aber dann…
Ein Links Kurs also, dafür säumen die 1 aber ganz schön viele Pinien! Das wird die ersten Bahnen auch so bleiben. Vorerst halten wir uns brav links und dann rechts auf der 2, weil die deutlichen Schräglagen gut sichtbar sind. Der Boden ist trotz der starken Regenfälle der letzten Wochen trocken und beschert unseren Bällen langen Roll. Den verlockend weiß leuchtenden Fairwaybunkern mit schönen hohen Kanten kann ich ausweichen. Sie liegen zumeist in den Landzonen vom Tee aus. Das lange Spiel soll auf den wunderschön designten, nicht allzu langen Bahnen eher kein Problem sein. Ganz anders auf den Grüns: Sie liegen oft hoch oben, sind aberwitzig schnell, glatt, listig onduliert und hängen tatsächlich alle zum Meer. Störrisches „Das-schaut-aber-wirklich-nicht-so-aus-hier“ endet im Dreiputt.
Ab Mitte der 5 weitet sich das Gelände. Jetzt begrenzen niedriges Heidekraut und Stechginster die breiter werdenden Bahnen und man weiß: aha, jetzt kommt das Links-Golf. Föhren gibt es nur mehr vereinzelt und so schief, dass man ihnen sofort ansieht, woher der Wind weht, der unsere Bälle fängt. Etwa auf der wunderschönen 7, deren hochliegendes Grün rundum bunkerbewacht ist. Der Blick nach links Richtung Meer lohnt sich. Generell sind in Oitavos die roten Abschläge sehr weit vorn platziert, was den Kurs in Summe um über 1.000 Meter kürzer macht. Auf der 8 zieht Michael dann aber schon die Brauen hoch. Während er auf dem Par 5 den Abschlag blind über eine Kuppe mit richtungsweisenden Holzpfählen spielen muss, kann ich 127 Meter (!) weiter vorne aufteen. Durch den langen Roll auf der in Spielrichtung abfallenden Bahn habe ich praktisch nur ein Par 4 zu bewältigen, das auf einem kleinen Grün zwischen bewachsenen Dünen malerisch endet. Ich bin begeistert und das bleibt beim Anblick der 9 mit gelben Wiesenblumen und Blick auf das Sintra Gebirge so: Das Par 3 liegt tief unter uns, ist nur 128/93 Meter lang und muss heute präzise und hoch rechts vorne angespielt werden, sonst ist der Ball hinterm Grün.
Von fehlenden Fairways und tiefen Gräben
Die 10 sehr breit, das Grün hoch oben und schwierig anzuspielen, weil hart. Und dann stehen wir ratlos auf der 11 und suchen das Fairway. Mitte spielen, nona, links rollt der Ball weit in die Nebenbahn – rechts ist Ausgrenze. Hat man das geschafft, schafft einen das zweistufige Grün. Trotzdem: grandioses Design! Nach einem friedlichen Par 3 dann ein visuell prachtvoller Abschlag auf der 13 mit leuchtend gelbem Ginster nach dem Tee, später sanft bergauf zum hochliegenden, bunkerbewehrten Grün. (Vorsicht, in der Mitte der Bahn landen häufig die verirrten Bälle der 11 und wenig später auch die dazugehörigen Leute, die ihre Bälle hoch hinauf blind zum Grün pitchen müssen.)
Wir durchqueren nach 2 bis 3 Putts ein kleines Pinienwäldchen und stehen begeistert vor dem Par 3 der 14, das zum Großteil aus einem tiefen Graben besteht. Ich behalte die Nerven, der Wind hilft ein wenig, und spiele ein Par. Belohnt werde ich durch einen wunderschönen Ausblick auf gelben Ginster vor Steilküste und Meer. „Two Par 3 in a row“, kündigt Michael nach einem Blick in die Scorekarte die 15 an, deren Grün stilecht zwischen begrünten Dünenhügeln eingebettet liegt. Einfach mega die 16 vom erhöhten Abschlag auf ein endlos scheinendes Fairway hinunter. Die fotogene Einzelkiefer in der Bahn kann man umspielen.
Mehr seitlicher Wald folgt, nachdem wir auf dem Weg zur 17 eine imposante bronzene Frauenfigur in seltsamer Ansprechhaltung bewundert haben. Die 17 beginnt sehr breit und dreht schmaler werdend leicht nach links unten. Auf der 18 schützt ein Zaun das Riesengebäude links vor verirrten Abschlägen. Das gar nicht desaströs wirkende Hotel (?) wird gerade abgetragen (!), was nicht ohne Lärm vonstatten geht. Wir konzentrieren uns aber auf das knifflig sich windende Par 4 mit strategisch platzierter Föhre unterhalb des hochliegenden Grüns, das nicht zu Unrecht die zweitschwierigste Bahn ist.
Michael fährt heim zu seiner in der Zwischenzeit mit Gartenarbeit beschäftigten Frau – ich gehe wegen des Baulärms nicht ins Clubrestaurant essen, obwohl man dort schon gut in der Sonne sitzen könnte. In der Gegend in und um Cascais gibt es aber an der Küste ohnehin so viele exzellente Fischrestaurants, dass einem die Wahl schwer fällt!
Mein ganz persönliches Fazit
Für mich der schönste der fünf Plätze rund um Cascais! Wer karges Linksgolf mit Wind und prächtiger Aussicht mag, ist hier richtig. Der Kurs ist nicht allzu lang, zuweilen schön breit und schon optisch ein Erlebnis. Toller Caddyservice, exquisiter Proshop. Ein Cart braucht man hier eigentlich nicht, aber Viele fahren trotzdem.
Insgesamt 5 Plätze gibt es in der Nähe von Cascais, die ich in meiner Golfwoche alle gespielt habe. Bereits im Blog: Estoril. Demnächst hier: Quinta da Marinha, Penha Longa und Pestana Beloura.






















Ein Kommentar zu „Lissabon/Cascais 2 – Oitavos Dunes Links Golf: der Wind, die Dünen, die Pinien und das Meer“