Welche Bahnen!! Welches Layout!! Wie schön der Kontrast der giftgrünen Fairways zum dunkelgrünen Pinienwald!! Penha Longa, im Naturpark bei Sintra, wartet mit Allem auf, was einen erstklassigen Golfkurs ausmacht. Auch mit so einigen Höhenmetern.
Ein Hinweisschild schreibt „Golf“, aber der Parkplatz befindet sich nicht vor einem Clubhaus, sondern vor einer hübschen, terracottafarben gestrichenen Klosterkirche – inklusive Brautpaar und schnatternden Gästen. Golf? Hier? Ich parke schließlich angesichts anderer Menschen mit Golfbags dann doch. Rechts rum, am Gemäuer entlang, führt der lange Weg zum Caddymaster. Heute ist ganz klar Cart angesagt: erstens hängt der Himmel voller düsterer Wolken und zweitens habe ich einiges über die „spezielle Topografie“ Penha Longas gehört.
Viele Anstiege, ein Aquädukt und ein Laptop
An Tee 1 wartet schon sportlich mit Tragebag Eliah aus Finnland. Also ursprünglich aus Finnland, jetzt in der Pension hat er sich in der Gegend niedergelassen und ist in Penha Longa Mitglied. Ich bekomme erste Tips für die 1, die sich trickreich zwischen sehr viel Bäumen sehr hügelan auf ein sehr onduliertes, schnelles Grün windet. Der Boden ist nach den starken Regenfällen der letzten Wochen leider tief. Null Roll, jeder Ball steckt nach dem Höhenflug im Matsch. Trotzdem: optisch ist der Kurs vom 1. Schlag an eine Augenweide! Selbst in der Düsternis des Wolkentages leuchtet die 2 grellgrün und bildet einen faszinierenden Kontrast zu den dunkelgrünen Pinien rechts und links. Schmal, schmal, sehr schmal geht es steil bergauf, ehe sich auf der 3 das Fairway weitet und mittig eine Anzahl weißer Bunker präsentiert (also auch schmal). Eliah stapft tapfer bergauf. Die 4, endlich, ist relativ eben, dafür die zweitschwierigste des Par-72-Kurses. Links Bäume, das Fairway nach rechts hängend.
Ein steiler Weg führt nach unten zum nächsten Par 3 und das GPS im Cart warnt mich dringlich vor zu viel Speed. Tief unter uns das Grün. Bist du zu kurz, steckt der Ball heute unspielbar tief im Boden. Am Tee der 6, die erst bergab, dann scharf rechts führt, beginnt es zu regnen, und nicht nur deswegen wähne ich mich in irisch-grüner Gegend: Eine alte Mühle samt malerischem Aquädukt bilden die Kulisse hinter dem Grün. Nach dem kniffligen Par 3 der 7 zwischen Mühle und Teich geht es erneut steil hügelan. Vor allem auf der 9 hat Eliah Sorgenfalten im Gesicht: Das Grün des steil aufwärts führenden, noch dazu gebogene Par 4 sei mit dem 2. Schlag nur äußerst schwer zu erreichen. Wenigstens hat es zu regnen aufgehört. Neben uns am Tee sitzt ein Mann im Gras, einen Laptop vor sich, und einen meandernden Rasenroboter fest im Blick. Die leichten Dinger sind das Einzige, mit dem auf dem nassen Boden momentan überhaupt gemäht werden kann.
Auf und ab, auf und ab und ab
Die 10 wellt sich sanft hügelan, die 11 dann in weitem Bogen sanft bergab, ehe sie zum Grün steil ansteigt. Nicht einfach. In weichen Bögen winden sich die nächsten Bahnen mal abfallend, mal ansteigend durch den Naturpark und sind ganz wunderbar anzusehen, spielerisch sehr herausfordernd: Die grandiose, sich durch Bunker schlängelnde 12 (Titelbild), die kurze 13 abwärts, dann nach rechts oben, die stark nach links hängende 14. Wer hat diesen wunderschönen Kurs eigentlich ersonnen, frage ich mich, und google später: Robert Trent Jones Jr., dessen Bahnen euch in Alcanada wahrscheinlich schon begeistert haben.
Von oben herab aber ehrfürchtig blicken wir auf das Par 3 der 15, die erste Bahn mit ernstzunehmendem Wasserhindernis. Kurz zeigt sich die Sonne und passt gut zu Eliahs Birdie. Mein irisches Gefühl auf einem portugiesischen Kurs verstärkt hingegen der einfallende Nebel. Uns bleibt heute nichts erspart, auch nicht die unpackbar eindrucksvolle 16: sehr, sehr tief unterhalb unserer Tee Boxen die Landezone, ehe es im Bogen – nona – wieder steil ansteigend zum Grün geht. Dass unsere Bälle aus steiler Höhe beide im weichen Boden versinken, macht die Sache nicht einfacher. Ich bin ein klein wenig missmutig, und schlage auf dem Par 3 der 17 voller Ingrimm den Ball steil hinunter an die Fahne. Mein Birdie besänftigt mich, der Regen hat aufgehört. Dafür kommt jetzt böenartig Wind auf. Frühling in Portugal? Ja! Ein letztes Mal schlagen wir von hoch oben hinunter auf ein Fairway voller Pinien, ehe sich die 18 vor der schönen Kulisse aus Kloster, Clubhaus und Hotel zum Grün nach rechts dreht.
Eliah eilt nach Hause, weil es wieder zu regnen beginnt, mich bringt der Caddymaster im Cart trocken zu meinem Auto, nicht ohne vorher meine Schläger geputzt zu haben.
Mein persönliches Fazit
Unglaublich spektakulärer Kurs in den Hügeln nahe Sintra, der bei Sonnenschein und trockenem Boden bestimmt noch reizvoller ist! Spielerisch und konditionell sehr herausfordernd. Ich empfehle ein Cart, dann kann man alle Kräfte für das Golfspiel nutzen. Stylisches Clubhaus, kleiner, aber gut sortierter Proshop.
Insgesamt 5 Plätze gibt es in der Nähe von Cascais, die ich in meiner Golfwoche natürlich alle gespielt habe. Bereits im Blog: Estoril, Oitavos Dunes und Quinta da Marinha. Demnächst hier: Pestana Beloura.




















3 Kommentare zu „Lissabon/Cascais 4 – Penha Longa: über grandiose Abgründe und spektakuläre Höhenflüge“