In der Nähe von Perth liegt am Rande der schottischen Highlands Gleneagles mit drei 18-Loch-Plätzen und einem exklusiven Hotel. Man hat also die Qual der Wahl in diesem im Juni von gelb blühendem Ginster umrahmten Golfresort. Der King’s Course ist das Highlight und spielt wirklich alle Stückeln.
Noch ziehen ein wenig die Wolken durchs schottische Hochland an diesem Junimorgen, und 10 Grad veranlassen mich dazu, mir im eleganten Proshop von Gleneagles sicherheitshalber einen Pullover zu kaufen. Auf zwei Etagen feine Outfits, die meisten allerdings für männliche Golfer. Mit meiner Startzeit hat irgendetwas nicht geklappt, höre ich und muss um die bestellte (und bereits im voraus bezahlte) Teetime kämpfen. Start erst in zwei Stunden, dafür der e-Trolley gratis. Was soll’s. Dann ist es wenigstens wärmer.
Sehr professionell entlässt mich der Starter auf die Runde – ich habe den King’s Course für mich allein. Das erste Fairway spielt sich schon mal wunderbar – mein Ball rollt lang aus, der nächste Schlag muss steil bergauf, und irgendwie schaffe ich es, den Bunkern auszuweichen. Herrlicher Ausblick ins Land und viel Ginster auch auf der 2, die sich bergab kurz spielt und mir ein Par gönnt. Am Tee der 3 nimmt mich ein australisches Ehepaar freundlich auf, das mit zwei Caddies unterwegs ist. Blind schlägt man auf der wundervollen 3 bergauf, die scheinbar nur aus Ginster besteht – rechts halten empfiehlt man mir und tatsächlich liegt mein Ball perfekt für den nächsten blinden Schlag über die Kuppe auf ein tief unten liegendes Grün. Die reine Spielfreude – pfeif auf den Score 😉
Atem(be)raubendes Layout
Von oben herab startet man auf die nur scheinbar breite 4. Rechts und links in der Landezone droht giftiges Rough. Begeistert stehen wir dann am Tee der 5 und beobachten die Schläge der Gruppe vor uns. Was für ein Par 3 – was für ein Design! Abschlag oben, Grün oben, dazwischen Bunker ohne Ende zwingen uns zum präzisen Schlag auf das 149/114 Meter weit entfernte Grün. Trifft man es nicht, ist man im Bunker verloren, und zwar auf allen Seiten. Nach einem friedlichen Par 5 sollte der 7. Abschlag dann tunlichst wieder über die hellgrüne Teppichkuppe, damit man das Grün sehen kann. Die Tipps kommen von Bob, einem der freundlichen Caddies, der mich ein wenig unter seine Fittiche nimmt. Die Australier kennen den Platz ohnehin, kommen seit Jahren in ihr Time-Share-Appartment und sind beide weit über 80. Außer herumkutschieren und Bälle suchen haben die Caddies nicht viel zu tun. Grün links anspielen, heißt es erstaunlicher Weise auf dem Par 3 der 8, und man ist gut beraten, sich daran zu halten. Nichts Gutes verheißt die 9 „Heath of Trouble“: Bob rät mir zu einem couragierten Abschlag sehr rechts. Der Ball rollt somit in die tiefe Grube und von sehr tief unten braucht man nur mehr einen kurzen, allerdings hohen Schlag auf das Grün. Mein Trouble kommt dann auf dem stark gewellten Grün, das wie alle Anderen auch noch sehr, sehr schnell ist.
Eine Halfway suche ich vergebens, finde aber auf dem Weg zur 10 eine kleine Telefonzelle mit Menükarte. Tatsächlich hebt jemand ab, und wir bestellen Snacks und Getränke für die Halfway, die dann nach einer entspannten 10 schon für uns bereit liegen. 10 Minuten Pause sind hier angenehme Pflicht.
Auf und Ab und blinde Schläge
Das Par 3 der 11 erwähne ich nur am Rande – die Australierin spielt ein Birdie und freut sich so lautstark, dass der ganze Platz mithört, wir zwei Anderen geht mit Par zum nächsten Loch. Heißa – blind bergauf wieder einmal über eine Kuppe auf der 12, Linksgolf-Feeling mit hohem Rough, Wellen, Bunkern und sonst nix auf der 13 bergab. Auf der 14 warten wir kurz und sehen Longhitter vor uns, die mit dem Teeshot das Grün des Par 4 angreifen (zum Teil aber in den Bäumen landen). Ich wähle den 3. Bunker von links… trotzdem Par. Die 15 liegt sonnenbeschienen unter uns, den blinden Teeshot über eine Kuppe habe ich dank Bob gut gemeistert.
Nach einem entspannten Par 3 kommt mit der 17 das einzig wirkliche Dogleg des King’s Course ins Spiel, das ab dem Knie bergauf geht und auf einem bunkerbewachten Grün endet. Bergab dafür dann das breite Par 5 der 18, vom Abschlag sieht man schon das Clubhaus und das Grün ist das größte, das ich je gesehen habe. Der Annäherungsschlag darf daher überall sein, nur nicht zu kurz.
Ein Bier im Pub des Clubhauses muss natürlich sein – nebenan wird im exquisiten Restaurant auf offenem Feuer gegrillt. Beim Caddiemaster lasse ich mir als hübsches Souvenir meine Namen in das Bag Tag eingravieren, das mir der Starter ausgehändigt hat.
Mein ganz persönliches Fazit
Ein wahrhaft königlicher Platz, wenn man keine Scheu vor blinden Schlägen und zu bewältigenden Höhenunterschieden hat. Hervorragende Qualität, kniffliges Layout mit vielen Bunkern, sehr schnelle Grüns, aber fair zu spielen. Etwa 260 Pfund kostet die Runde, die man bei der Online-Reservierung überweisen muss. Ich finde: jeden Cent wert. (Lesenswert die Bestätigungsmails, die very british, extrem höflich, ja fast schon royal formuliert sind!) Achtung: Das ist NICHT jener Kurs, den manche vielleicht vom Ryder Cup 2014 in Erinnerung haben. Dazu muss man den PGA Centenary Course nebenan spielen.
Das war erst der schottische Anfang! Meine Golfwoche setzte sich auf der Halbinsel Fife fort – rund um das berühmte Städtchen St. Andrews. Mit Crail – Craighead Links, Lundin, St. Andrews – Old Course und St. Andrews – Jubilee Course und Kingsbarns!
















Einfach beneidenswert 👍 Schottland würde ich auch mal gerne spielen. Freue mich schon auf die nächsten Berichte. 😊
LikeGefällt 1 Person