„Königliche Scheune“, so heißt der Platz mit schottischem Understatement. In Wahrheit ist Kingsbarns der schönste Platz, den ich der Grafschaft Fife rund um St. Andrews gespielt habe. Makellose Fairways und Grüns, das Meer oft in Schlagweite und ein Design, das Freude macht.
Düster ist es an diesem Vormittag und kühl, wenigstens pfeift uns kein schottischer Wind um die Ohren. Vom kleinen, schmucken Dörfchen Kingsbarns zweigt die Straße zum Golfplatz Richtung Meer ab. Golf wurde in den Links hier schon seit 1793 gespielt – der Kurs in seiner heutigen Form sei aber erst 24 Jahre alt, erklärt uns Reiseleiter Holger von golfinscotland.de, der in Kingsbarns auch offiziell als Caddie registriert ist. Erst einmal ein Cappuccino aus stilvollen Clubtassen vor der Runde samt Blick auf das Ende der 18, das – nun, sagen wir – respekteinflößend aussieht.
Dünen, Gras, Bunker, Meer und sonst nix
Ich gebe schon zu: die karge Optik von Linkskursen muss man mögen. Mir geht schon angesichts der 1 das Herz auf – samtgrünes Fairway, modelliert aus Dünen, bunkerbewehrt, und nichts als Dünengras und Ginster als Begrenzung. Wunderschön auch das Par 3 der 2, bei dem meine Freundin und ich Birdies spielen. Mental gestärkt meistern wir die Schieflage der nächsten Bahn und vermeiden das Bunkerspiel – nicht zuletzt dank Holgers Anweisungen. Die bekomme ich auch auf der 4, aber irgendwie zieht es meinen Ball doch in einen der Topfbunker rechts. Atemberaubend der Blick über das Grün aufs Meer und den schottischen Windpark vor der Küste. Geht der in ein paar Jahren in Betrieb, ersetzt er das einzige Kernkraftwerk Schottlands.
Holger lotst uns durch die Unbilden der herrlichen 6 und sagt Sätze wie „Du brauchst 89 Meter, dann kommt der Ball so auf, dass er Richtung Grün rollt“. Und siehe da, mit derart exakten Anweisungen kann ich etwas anfangen. Der richtige Schläger, ein gelungener Schlag. So schwierig Kingsbarns daherkommt – so gut und fair lässt sich der Platz spielen. (Leider ist er auch entsprechend niedrig gerated, sehe ich später…) Die 8 ein steiles Abwärts-Par 3. Ich bin zu weit und lande im Wald hinter dem Grün, das ich rechts vom Bunker hätte treffen sollen. Meiner Freundin gelingt das, der Ball verschwindet kurz, um Sekunden später exakt links bei der Fahne anzukommen. Holger lächelt gelassen.
Erst einmal den Ausblick genießen
Wie es sich gehört, führt die 9 zurück zum Clubhaus, es gibt aber eine Halfway mit (heißen) Getränken und der landesüblichen warmen Suppe. Rechts halten auf der 10, deren riesiges Grün leicht erhöht liegt und stark onduliert ist. Und schnell wie alle anderen natürlich. Die 11 führt in leichtem Bogen tatsächlich an einem Wäldchen entlang, einer Rarität auf schottischen Links. Zu weit rechts ist ein Dilemma, weil der Ball unweigerlich den steilen Abhang hinunterrollt. Dafür ist das Grün hoch oben. Durch den Wald geht es zum Tee der 12 und wenn du dort ankommst: erst einmal stehen bleiben und genießen! Links rauscht das Meer, unter und vor dir herrliche, grüne Fairwaywellen mit Linkskurve. Wind beachten und „abkürzen auf der Meerseite ist keine gute Idee“, sagt Holger. Nach einem kurzen Abwärts-Par-3 auf ein Grün, das man vor lauter Topfbunkern rundum kaum wahrnimmt, führt die 14 breit zurück. Ein Halbinselgrün spielt man auf der 15 an, wieder ein Par 3. Links Richtung Grünbunker halten – der Ball rollt abwärts Richtung Wasser zur Fahne, sagt Holger und behält wie immer Recht.
Die 16, für mich eine der schönsten Bahnen von Kingsbarns, windet sich durch das Dünengras und hält Bunker bereit, die man nicht sieht. Ein kleiner Creek quert, stört aber nicht. Die 17 spielt man über links, weil rechts eine Unzahl an Bunkern droht. Am Tee der 18 hat man bereits das Clubhaus im Blick – vor sich aber noch die einzige Bahn mit Wasserhindernis: der Creek quert exakt unterhalb des Grüns. Meinen zweiten Schlag muss ich vorlegen auf dem Par 4, und zwar rechts zur Brücke, sagt Holger. Ich staune, zweifle, befolge aber den Tipp und: Der Ball ist Mitte Fairway gerollt und lässt sich gut auf das erhöhte Grün pitchen.
Kingsbarns hat uns alle Vier begeistert – auch, weil wir jede von uns in ihrer Hcp-Klasse äußerst zufriedenstellend gespielt hat. Nach der Runde gibt es Bier und Snacks im Clubhaus. Die Birdies vertrinken wir erst am Abend im Restaurant auf dem Golfplatz von Anstruther (Geheimtipp!).
Mein persönliches Fazit
Außergewöhnlich schöner Linksplatz in der Gegend um St. Andrews und von makelloser Qualität. So schwierig er aussieht – zu spielen ist er auch für höhere Hcps frustfrei. Caddy nehmen hilft! Traditionelles Clubhaus mit guter Küche und sehr feiner Proshop. Kingsbarns hat nur einen großen Nachteil: Das Greenfee liegt mittlerweile bei 400 Pfund.
Golfen rund um St. Andrews! Dann interessiert dich bestimmt auch der berühmte Old Course und der Jubilee Course nebenan. Oder ein Stück entfernt Crail – Craighead Links und Lundin!
Noch mehr Golf in Schottland? Dann lies bitte Gleneagles – King’s Course!






















Ich freue mich immer die Blogs zu lesen. Wie immer toll beschrieben und bebildert.
wünsche dir noch einen schönen Golfherbst 🏌️♀️😊
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