Lissabon/Cascais 1 – Palácio Estoril Golf: der Sir in den steilen Hügeln von Estoril

Nur 25 Minuten von Lissabon entfernt liegt einer der ältesten Golfplätze Portugals, der während und nach dem Zweiten Weltkrieg seine Hochblüte hatte, als Europas vorwiegend adelige Prominenz im eleganten Seebad Estoril weilte. Die vielen schönen Pinien und Eukalyptusbäume des hügeligen Kurses sind heute erwachsen – und spielentscheidend zuweilen.

Golfwoche Ende Februar – endlich! Nach den vielen grauen Winterwochen begrüßt mich an meinem ersten Tag in Portugal die Sonne. Ich habe mich im Hotel Palácio Estoril einquartiert, das mir als Ausgangspunkt für fünf Golfplätze dienen wird und von dem ich euch unbedingt gesondert berichten muss (Ich sage nur, James Bond!). Jede halbe Stunden fährt ein Kleinbus die golfwilligen Gäste die paar Minuten hinauf zum Clubhaus des gleichnamigen Golfkurses. Daneben wachsen leider gerade Appartmenthäuser aus dem Boden und es staubt fürchterlich. Drinnen ist es ohnehin viel schöner. Die Umkleideräume und der Salon bieten feinstes britisches Flair. Und im sehr kleinen Proshop, wo ich meinen Logoball erstehe, bedient mich ein freundlicher alter Herr, der – wie man mir voller Stolz mitteilt – einmal portugiesischer Golfchampion war.

Kiefern und Eukalyptus

Mit mir am Tee 1 ein deutsches Ehepaar, und der Smalltalk zum Aufwärmen läuft übers Wetter. Vor uns hat es in der Gegend fast zwei Wochen lang geschüttet und gestürmt. Die Plätze waren gesperrt, Bäume fielen dem Sturm zum Opfer. Carts sind deshalb verboten, der Boden ist noch zu nass. Meine beiden Deutschen bekümmert das. Noch kein Grund zur Klage auf der 1 – sie beginnt eben und angenehm breit für den ersten Schlag, und auch das folgende Par 3 über einen der wenigen Teiche spielt sich flott (wenn man ganz gerade bleibt). Auf der 3 geht es bergab und auch noch um die Ecke, und der Kurs zeigt erstmals seinen wahren Charakter: viel Platz hat man nicht. Dabei sind es nicht die sehr wenigen Fairwaybunker, die die Bahn begrenzen, sondern die sehr vielen wunderschönen alten Kiefern und Eukalyptusbäume. Auf der 5 spielt man den Teeshot gelasssen über den Teich, und das Par 5 wird lang, weil bergauf. Die 6 bergauf, die 7 ebenso. Rechts und links Wald, ab und zu ein blinder Schlag über eine Kuppe. Der Boden ist zum Teil noch matschig, dann legen wir eben besser. Die Grüns sind aber allesamt in sehr gutem Zustand und ziemlich flott! Traurig das Par 3 der 8: Wo einst wahrscheinlich das Clubhaus hinter der Fahne zu sehen war, verstellt jetzt die in Bau befindliche Appartmentanlage den Blick.

Taxi!

Am Clubhaus vorbei müssen wir auf dem Weg zur 9. Das Ehepaar ist erschöpft und hört auf – ich quere auf einer beeindruckenden Brücke die Autobahn und muss danach weiter steil bergab. Bergab auch die 9, auf der mich ein paar Bäume und ein kleiner Wassergraben rechts vom Fairway magisch anziehen. Die 10 noch sehr nass, die Bälle bleiben nach dem Flug im Boden stecken. Auf der 11 lässt mich ein Viererflight durchspielen, und ich kann die zweitschwierigste Bahn des Kurses daher nicht fotografieren. Auf der 12 eine nette Labestation mit einem freundlichen Herrn, ich kaufe mir ein Cola, habe aber leider keine Zeit zum Plaudern; Durchspielen macht immer ein bissl Druck. Am Tee der 12 muss man erstmal schauen, wie die Bahn verläuft, die sich ab der Mitte nach rechts zwischen die Bäume verliert, dann steil nach oben aufs Grün führt. Ein Bild von einer Bahn, schau dir das Titelbild an! Die 111 Meter steil bergab auf das Grün der 13 gelingen mir gut – das dichte Gehölz links, den Graben rechts blende ich erfolgreich aus.

Auf der 14 langes Warten. Vier Damen vor mir, die sich, sagen wir, unorthodox und ineffizient auf dem Fairway bewegen… Zum Glück sehen sie das ein, und ich darf wieder einmal durchspielen. Die 15 biegt nach rechts, ehe mit der 16 ein optisch herausforderndes Par 3 kommt. Einerseits führt der direkte Weg des Balls zwei Mal über einen kleinen Bach, was mir weniger Sorgen macht, als der steile Aufstieg zur hohen Autobahnbrücke, über die ich wohl zur nächsten Bahn muss. Ganz taufrisch bin ich nach den geländegängigen Bahnen nicht mehr. Auf dem Weg zu meinem Putt sehe ich allerdings einen freundlichen Herrn (schon wieder), der sich mein Bag samt Trolley schnappt und auf ein Wägelchen lädt. Nach dem Par-Putt steige ich ein und werde gemütlich hinauf bis zum nächsten Tee chauffiert. Das nenne ich Service! Jetzt nur noch die kurze, nach links gebogene 17 bergab und dann die nach rechts gebogene 18 mit weit rechts platziertem Grün wieder bergauf.

Einrichtungen zum Schläger- und vor allem Schuheputzen suche ich vergebens, das kenne ich aus südlichen Ländern schon. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass zwischen Clubhaus und Tee 1 auch umgebaut wird. So steige ich mit Matsch an den Schuhen in den herbeigerufenen Bus und lasse mich wieder zurück ins Hotel shutteln.

Mein ganz persönliches Fazit

Schöner, etwas in die Jahre gekommener traditionsreicher Platz aus dem Jahr 1929 in sehr hügeligem Gelände. Mit 4.900 bzw. 4.300 Metern ist der Par-69-Championshipcourse nicht lang, aber sehr schmal. Das zuweilen steile Auf und Ab muss man mögen (ich mag das!). Ich würde ein Cart empfehlen, bin selbst bei den noch frühlingshaften Temperaturen aber gegangen.

www.palacioestorilhotel.com

Insgesamt 5 Plätze gibt es in der Nähe von Cascais, die ich in meiner Golfwoche alle gespielt habe. Demnächst hier: Oitavos Dunes, Quinta da Marinha, Penha Longa und Pestana Beloura.

Zum Golfplatz Palácio Estoril gehört das namensgebende Hotel (oder besser umgekehrt). Ich habe dort gewohnt und war begeistert. Auch davon bald hier.

Das Par 4 der 1 beginnt eben und relativ breit.
Engstelle: der Schlag aufs Grün der 2 muss schön gerade sein (124/101 Meter von Gelb bzw. Rot)
Die 3 biegt nach dem Plateau scharf nach links unten auf ein relativ kleines Grün (Par 4)
146/127 Meter auf das Grün der 4 mit beliebten Bunkern drumrum
Ab der 5 gehts bergauf, das macht das Par 5 schwieriger (Hcp 3)
Das Meer! Blick zurück auf die nach links gebogene 7. Blinder Abschlag auf der schwierigsten Bahn des Kurses. Das Grün ist wie alle trotz Nässe top in Schuss.
Weiter Weg zur 9 über die Autobahnbrücke
Magische Anziehungskraft hatten für mich die Bäume rechts neben dem Fairway. Bahn 9 (Par 4)
Bahn 10 mit Hcp 2, heute noch schwieriger, weil sehr nass
Erst mal den Verlauf der Bahn suchen: die 12 biegt im Knie scharf nach rechts und dann bergauf Richtung Grün (Titelfoto!)
131/111 Meter auf das Grün der 13 (Par 3). Viel Platz ist da nicht.
Die ebene 14, hurra (Par 4). Die Damen vor mir ziehen seltsame Kreise auf dem Fairway.
Tricky Par 3, die 16, und ich sehe besorgt die Brücke hoch oben, über die ich zur 17 muss…
… und dann ist da dieser freundliche Mitarbeiter und führt mich den weiten Weg hinauf zur nächsten Bahn!
Blümchenwiese statt Rough auf der 17 bergab (Par 4)
Noch einmal steil bergauf auf der 18, das Grün liegt ganz rechts.
Ist die nicht schön, die Damenumkleide!?
Salon für Clubmitglieder. Very british.

 

2 Kommentare zu „Lissabon/Cascais 1 – Palácio Estoril Golf: der Sir in den steilen Hügeln von Estoril

  1. Reinigungsstellen von Schuh und Schläger gibt’s schon: rechts Richtung T1. Und die braucht man auch! Ansonsten hat der Platz einige spannende Löcher. Meine Highlights sind die 3 (kleines Grün, das man mit einem Bergabschlag treffen muss), 7 (lang und dann das erhöhte Grün), 12 (das Loch muss man kennen, um es richtig zu spielen) und die 16 (imo das schwierigste Par 3). Dazwischen einige Löcher zum sagen wir Erholen.

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