Lissabon/Cascais 3 – Onyria Quinta da Marinha: das grüne Labyrinth

Direkt neben Oitavos Dunes und doch völlig anders: Onyria Quinta da Marinha liegt eingebettet zwischen Hotels und Feriensiedlungen auf ebenem Gelände. Der Parklandkurs schlängelt sich durch Unmengen schöner alter Pinien, die das Spielgeschehen durchaus beeinflussen.

Der optimistische Wetterbericht irrte: Es schüttet, als ich an diesem Vormittag Ende Februar vor dem Clubhaus von Quinta da Marinha parke. Rings um mich Pinien, Pinien und nochmals Pinien, von denen der Regen tropft. Auch, wenn der Platz ganz eben ist – heute brauche ich ein Cart, in dem ich zwischendurch trocknen kann. Dafür muss ich den üblichen Vertrag unterschreiben und zusätzlich eine Kreditkarte hinterlegen. Ganz was Neues.

Der Weg zu Tee 1 führt durch Pfützen und ich stehe allein am Abschlag. Was heißt Abschlag: am gesamten Platz ist scheinbar niemand außer mir. Vor mir ein breites, saftig grünes Fairway – wohl das Ergebnis der letzten Regenwochen. Ich rechne mit tiefem Boden, merke aber bald, dass der schöne, dichte Rasen hält, was er verspricht. Es ist so düster, dass sich die Handykamera auf der hübschen 2 mit dem Aufhellen plagt. „Good Luck“ heißt das Par 3 und ich brauche viel davon, um wenigstens den Rand des kleinen Grüns zwischen Teich und Bunkern zu treffen.

Schlangenlinien im Wald

Nach allem, was ich vorher gelesen habe, erwarte ich einen klassischen Parklandkurs aus den 1980er-Jahren, wie man ihn oft bei Hotelanlagen findet. Platzarchitekt Robert Trent Jones Sr. sagt mir auch etwas. Seine tricky Bahnen durfte ich schon im Royal Park I Roveri bei Turin kennenlernen, oder in La Duquesa und natürlich Valderrama an der Costa del Sol. Um es gleich vorwegzunehmen: So spektakulär wie diese Plätze ist Quinta da Marinha bei Weitem nicht, unterschätzen sollte man den Par-71-Kurs aber nicht. Optisch läuft alles einheitlich, die 3 gerade, die 4 biegt nach links. Die Fairways sind wunderbar zu spielen im Regen, die Grüns erstaunlich flott. Interessant ist die Wegführung: Mal muss man zurück, ein paar Mal eine andere Bahn queren, um zum nächsten Tee zu kommen. Was heute auf dem verwaisten Gelände nichts ausmacht, bei normalem Spielbetrieb aber …

Auf der 5 hellt sich nicht nur der Himmel, sondern auch meine Stimmung auf: Das wunderschöne Par 3 über einen Teich – 140 Meter von Gelb, 88 von Rot, bietet willkommene Abwechslung. „Snake“ und „Lucky Seven“ schlängeln sich wieder durch Pinien, die die Fairways verdammt schmal machen, und Longhitter wahrscheinlich dazu verleiten, da und dort über die Bäume zu spielen. Am schmalsten wohl das Par 4 der 8 mit Hcp 1. Ich habe bei Golfplätzen ein fotografisches Gedächtnis, muss aber zugeben, dass ich mich nach nur einer Runde Quinta da Marinha schwertue, die ersten elf Bahnen voneinander zu unterscheiden. Sieht man von der 10 ab, die „The Lakes“ heißt und dementsprechend mal Wasser rechts, links oder vorne bietet. Dafür jetzt kein Wasser mehr von oben.

Mehr Spannung auf den Back Nine

Aber dann die 12. Das zweitschwierigste Loch des Platzes, ein Par 4, fällt leicht ab, kippt nach rechts, biegt nach links und macht einfach richtig Spaß! Mein 2. Schlag muss blind abwärts, ich halte mich nicht links genug und suche wenig später meinen Ball sehr nahe an der nebenliegenden 18. Die 13 weitet sich ab der Mitte, fällt stark nach rechts und endet auf einem Grün mit Meer dahinter (und auch dorthin abfallend natürlich). Das unwegsame Gelände macht es notwendig, dass man auf dem Par 3 der 14 einen tiefen Graben überspielen muss, was aber kein wirkliches Mirakel ist und dadurch Freude macht. Wellen dann nicht nur auf dem sehr schönen, aber auch sehr schmalen Par 4 der 15, sondern auch als Geräuschkulisse von links unten: Dort tost die Brandung an die Küste. Ein unscheinbares Par 3 „Sweet Sixteen“ leicht hügelan, ehe man sich auf der 17 „Step by Step“ Richtung Grün kämpft. Die 18 windet sich noch einmal um grasige Hügel in der Mitte und der Platz endet, wie er begonnen hat. Zwischen Pinien und erstaunlich trocken.

Ich lasse auch hier das Clubhaus links liegen und fahre zwei Kilometer hinunter zum Strandrestaurant des Quinta da Marinha Hotels: Im Restaurante „Monte Mar“ speist man mit Blick auf Brandung und weiße Gischt ausgezeichnet Fisch und Meerestiere.

Mein persönliches Fazit

Bei Sonne, wenn die Pinien dramatische Schatten werfen, ist Quinta da Marinha gewiss reizvoller! Ein ebener Resortplatz mit spannenden Back Nine. Ausgezeichneter Pflegezustand, das muss man sagen. Kleiner Proshop; für ein Cart braucht man eine Kreditkarte.

quintadamarinha.com

Insgesamt 5 Plätze gibt es in der Nähe von Cascais, die ich in meiner Golfwoche natürlich alle gespielt habe. Bereits im Blog: Estoril und Oitavos Dunes. Demnächst hier: Penha Longa und Pestana Beloura.

Start mit einem gemächlichen Par 5
Düsternis über dem Par 3 der 2 (122/89 Meter)
Das nächste Par 5: die 3
Leicht nach links ab der Mitte verläuft das Par 4 der 4
Wie schön, die 5! „The Bridge“ mit 140/88 Metern aufs Grün
Mit „Snake“ kündigt die 6 schon ihre Form an, nach dem Zaun geht es auf dem Par 5 nach links
Feine, heute natürlich etwas gebremste Grüns, zum Beispiel hier auf der 7
Sehr schmal, das Par 4 der 8 mit Hcp 1
Jetzt kommt Bewegung rein: Das Par 5 der 10 windet sich gleich um mehrere Teiche
Teppichfairway auf der 11, die nach links knickt (Par 5)
Eine der schönsten Bahnen: die 12 über die Kuppe, bergab und dann unbedingt links halten! (Hcp 2)
Das schöne Ende der 13, auf der man sich besser links hält: Meerblick
Die 14, „Ravine“, und über diese Schlucht führen locker gespielte 130/95 Meter aufs Grün
Ozeanbrandung von links im Ohr, Wellen auch auf dem Fairway: die schmale 15 (Par 4)
Völlige Stille, nur das Meer ist zu hören: Blick vom Tee der 16 auf das Grün der 15
„Step by Step“ hat man sich dem Grün der 17 genähert
Die 18: hängt nach links, hat grasige Buckel in der Mitte und am Ende noch…
… ein bunkerbewehrtes Grün.
Kulinarische Außenstelle: Restaurante Monte Mar
… direkt am Meer

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