Piemont – Royal Park I Roveri: mondäner Turiner Traditionsclub mit 36 Loch und Gebirgsbach

Westlich von Turin liegt der Palast Venaria Reale mit einem riesengroßen, naturgeschützten Waldgebiet drumherum. Mittendrin der Club I Roveri, der sich deshalb auch Royal Park nennt. Hier trifft man auf penibel gepflegte Teppichfairways in zwei sehr unterschiedlichen Designs – und die Turiner High Society.

Nein, es stehen beileibe nicht nur Fiat auf dem Parkplatz zwischen Clubhaus und Proshop/Caddymaster, obwohl der Name Agnelli im Vorstand mehrmals auftaucht. Dort sind auch Manager von Juventus Turin vertreten, und die Golfschule arbeitet nach dem Konzept eines gewissen Eduardo Molinari, Profigolfer und Bruder von Francesco. 

Ich hatte mir für meine letzte Golfrunde im Piemont als Kontrast zu den gefundenen, günstigen, aber sehr reizvollen hidden gems absichtlich einen richtig noblen Turnier Golfclub ausgesucht, der noch dazu immer unter die besten 50 Plätze  Europas gewählt wird. Wir hatten tags zuvor Venaria Reale angeschaut, den einstigen Königshof derer zu Savoyen, umgeben vom Naturschutzgebiet La Mandria. Dort drinnen liegt auch der Club Royal Park I Roveri (Eichen), und schon die Zufahrt durch den Platz ist äußerst royal, der Empfang im Sekretariat königlich. Nein, Startzeiten gäbe es hier keine, das würden die Mitglieder nicht wollen, ich könne losspielen, wenn frei ist. Ich bekomme eine kleine Box mit Logoball, Tee und Honig aus dem Park als Gastgeschenk. Bezahlen könne ich nach der Runde (!) und die 110 Euro seien übrigens ein Tagesgreenfee für beide Plätze.

Der Allianz Course by Trent Jones Sr.: Teppichfairways, Wälder und Bäche

Nach Recherche im Internet hatte ich mich für den Allianz Course by Trent Jones Sr. entschieden, der 1971 gebaut wurde, und ich sag’s gleich: Das war richtig so. Wie vermutet: klassisches Design mit vielen Bunkern unter wunderschönem alten Baumbestand und teppichartig getrimmte Fairways. Hier wurden auch schon die Italian Open der European Tour gespielt, aber ich hatte Hoffnung, den Platz auch zu schaffen, ist doch Robert Trent Jones Leitsatz: „Jedes Golfloch sollte ein schwieriges PAR aber ein einfaches Bogey sein.“ Es sollte sich aber herausstellen, dass der Kurs für mich sehr schwer zu spielen war. Die langen, aber relativ schmalen Bahnen, oft als Doglegs geführt und unterbrochen von kleinen Bächen und einem wunderschönen breiten Gebirgsbach, sind tricky und ohne gute Strategie (und Schläge) verheddert man sich leicht. Breite Fairways enden oft schmal, die Grüns hängen stark und sind sehr schnell. Und trotzdem pure Spielfreude, denn: Was für ein Parklandkurs! Das Licht-Schatten-Spiel der alten Bäume, immer wieder Ausblicke zu den Bergen, völlige Ruhe, nur wenige Spielende auf dem Platz, das Rauschen des gezähmten Wildbachs – und zwischendurch das sanfte Kratzen meines Rechens im Sand. 

Flüsterrestaurant

Nach der Runde setze ich mich auf die schattige Terrasse des Restaurants, wo es eine kleine, aber feine Spezialitätenkarte gibt, eine erlesene Auswahl an Weinen und Stoffservietten. An den anderen Tischen ausschließlich ältere Herren meist in klassischem Blau/Weiß, die sich ungewöhnlich leise für ein Clublokal allgemein und für Italien im Besonderen unterhalten. Das Essen ist gut, der Affogato kühlt angenehm und ich fühle mich fit zumindest für 9 Löcher des zweiten Kurses.

Der Allianz Bank Course: weiter, offener, naturbelassener

Und der ist von Tee 1 an komplett anders. Auf den sehr breit angelegten Fairways tue ich mir leichter. Die Bäume sind meist Auwald, der brav in den Hintergrund rückt und dafür je nach Lage der Bahn wunderschöne Blicke auf die umgebenden Berge freigibt. Der Kurs ist erst 16 Jahre alt, moderner gelayoutet, hat weniger Bunker, größere Grüns. Angeblich wollte man nicht mit dem traditionellen Allianz Course konkurrieren, sondern bewusst einen völlig anderen Platzcharakter schaffen. Das ist wahrscheinlich gelungen, aber bei einigen Bahnen fehlt mir die optische wie spielerische Rafinesse. Dafür ist er (für mich) einfacher zu spielen, aber obwohl ich deutlich besser score, macht der Platz lange nicht so viel Freude. Vielleicht sind die Back Nine ja spektakulärer, die habe ich aber nicht mehr gespielt.

Mein persönliches Fazit

Außergewöhnlich schöner Club mit sehr viel Noblesse und Tradition. Keine Startzeitenbuchung. Auf jeden Fall den altehrwürdigen Allianz Course by Trent Jones Sr. zuerst spielen! Wenn dann noch Zeit ist, den Allianz Bank Course. Die 110,- Euro wochentags (160,- am Wochenende) sind ja wie erwähnt ein Tagesgreenfee. Dazwischen nett essen auf der schönen Clubhausterrasse. Großartiger Proshop, dafür sollte auch Zeit sein!

royalparkgolf.it

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Allianz Course by Trent Jones Sr.

Teppiche von Anfang an
Dogleg mit querendem Bach, die 2
Erstmals quert man den rauschenden Gebirgsbach: knifflige Annäherung auf der 4
Breites Par 5 mit wenig Platz am Ende, die 5
Die Fairwaybunker: zu schön um hineinzuspielen!
Leicht bergab geht es auf der 13, mit dem 2. Schlag daher aufs Grün
Bunkerbewertes Grün der 14
Die 17 muss man sich gut einteilen, deshalb wohl auch Schwierigkeitsgrad 1
Par 5 der 18 Richtung Clubhaus und Berge
Clubhaus, eh klar

Allianz Bank Course

Weiter, offener: Bahn 1
Wasserumspielend: Par 4 der 2
Großartiger Blick zurück vom Ende der 2 auf die Berge
Langes Dogleg, die 4
Schlichtes Par 3…
Auf der 9 (oder ist das die umgekehrte 1?) wieder Richtung Berge

3 Kommentare zu „Piemont – Royal Park I Roveri: mondäner Turiner Traditionsclub mit 36 Loch und Gebirgsbach

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