Winter-Träume – Südafrika: Steenberg Golf, ein Caddie und keine Enten

Neblig ist es draußen. Und die Tage sind kurz. Ich sitze am Computer und ordne die Fotos des letzten Jahres. Nur 10 Tage hatten wir Zeit in den Semesterferien. Mit der Familie ging es in die Nähe von Kapstadt, einmal „nach Südafrika, und möglichst viele Eindrücke mitnehmen in der kurzen Zeit“. Achja. Und Golfspielen, wenn man schon einmal im Paradies der GolferInnen ist. Bitteeee. 

Zwei Runden bekam ich genehmigt von meinen Lieben. Ich entschied mich erst einmal für einen der ehrwürdigen Plätze und brauchte mit dem Mietwagen aus Cape Town nicht einmal 30 Minuten Fahrt durch die Hügel der Gegend: „Steenberg Estate“ leuchtete es mir von den Flaggen an der gut gesicherten Einfahrt entgegen. Im feinen Clubhaus ist man reserviert freundlich und erklärt mir, dass außer meinem (übrigens hervorragenden Nike-Leihset) auch mein Caddie samt Cart auf mich warten würde.

Er konnte mir den Schläger reichen – nach einiger Zeit

James (!) und ich hatten leichte Anlaufschwierigkeiten. Er packte alles in unser Cart, fuhr stumm mit mir zum Abschlag und reichte mir auf der 1 für den 2. Schlag ein 9er-Eisen für 130 Meter zum Grün… Nicht ganz meine Länge. Wir brauchten einige Löcher, um uns einzuspielen. Ich verzichtete darauf, meine Schläger selbst aus dem Bag zu nehmen, er gab mir dafür Clubs in die Hand, die auch meinen Weiten entsprachen. Freundschaftliches Geplauder zwischen den Bahnen – bitte nicht. Ich stellte mich auf alles ein und es gelang mir immer besser, James lässig den Ball zum Reinigen zuzuwerfen.

Wie sinnvoll so ein ortskundiger Caddie ist, merkst du erst, wenn die Fairways  unübersichtlich werden, und natürlich auf den Grüns. Folgt man – zugegebenermaßen skeptisch – der vorgeschlagenen Putt-Linie, rollt der Ball – die richtige Geschwindigkeit vorausgesetzt – dann tatsächlich immer (und oft überraschenderweise) ins Loch. 

Wie man Enten (ver)jagt

Die Fairways sind trocken. Wasser kommt hier zwar direkt von den umliegenden Bergen (und eigenen Golfplatz-Quellen, was angesichts der im Land herrschenden Trockenheit schon sehr dekadent ist) auf den Platz, aber der Rasen ist raspelkurz und  der Roll erfreulich lang. Die Bahnen sind nicht besonders eng, begrenzt werden sie einmal mehr von einer Reihe völlig identischer Golfplatz-Villen. Auch hier: Niemand zuhause. Nirgends. Die Grüns sind langsamer als man glaubt, aber das hat mir James ja schon vorausgesagt. Ach ja, die 17 verlangt mir alles ab, ein sehr kurzes Par 3, bei dem der Golfplatzarchitekt einfach nichts ausgelassen hat: Wasser, Bäume, Wege, Bachlauf, Hanglagen – alles da. Ich scheitere und streiche.

Auf den 2. Neun treffen wir einen sonderbaren Greenkeeper mit einem orangefarbenen Riesenvogel aus Holz, der Geräusche wie ein extrem lauter Rasenmäher von sich gibt. Damit sollen nicht wir Spieler verscheucht werden, merken meine Flight-Holländer und ich schnell, sondern die vielen Enten von den Fairways und sogar aus dem Teich. Eine Art südafrikanischer Klappotetz. 

Fazit: Steenberg ist die 130 Euro Greenfee inkl. Cart & Caddie allemal wert. Weniger wegen des eindrucksvollen Layouts, eher wegen des Drumherums. Die Boulder Bay mit den Pinguinen ist nur einen Steinwurf entfernt, zum Cap der Guten Hoffnung braucht man eine Viertelstunde. Du fährst nach der Runde ein paar Kilometer und kannst aus den schönsten Weingütern der Region wählen. Oder aber du bleibst hier: Das Bistro 1682, benannt nach dem Gründungsjahr des Golfplatzes, ist hervorragend dazu geeignet, auch nichtgolfende Menschen für Steenberg zu begeistern…

http://www.steenberggolfclub.co.za

Boulder Bay
Weinverkostung gefällig? 

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