Belek, Teil 1 – Carya Golf: ganz nahe an der Perfektion

Welchen Satz willst du am Anfang einer Golfwoche am wenigsten hören? „Alle Plätze gesperrt!“ So ging es mir, die ich im Robinson Club Nobilis eingecheckt hatte, um gleich vor der Haustür spielen zu können. Doch es schüttet hier seit Tagen und ganz Belek ist geflutet. Nicht ganz Belek, ein Golfplatz trotzt mit offenbar hervorragender Drainage den Wassermassen: Carya Golf. Also Taxi ge- und zwei dankbare Schweizer Hotelgäste mitgenommen und hingefahren.

Allein das Clubhaus ist eine Wucht, imperial, riesengroß. Der Service hier ist kundenorientiert und sehr freundlich. Dein Bag wurde dir gleich am Taxi abgenommen und auf einen Trolley gepackt. Zum Tee 1, gleichzeitig Halfway, gehst du ein Stückchen, und der freundliche Starter dort versorgt dich mit allem, was du wissen musst.

Knochentrocken trotz Sintflut

Und dann: Carya ist eine Wucht, das merkst du schon auf den ersten Löchern. Zwischen riesigen Kiefern verlaufen die Bahnen mit samtigen Fairways, genau richtig hoch, und weißen Bunkern. Keine ist wie die andere, das Layout überrascht immer wieder. Keine einzige Lacke am Fairway, lediglich auf der 5 hat sich der Teich etwas mehr Raum genommen als ihm zusteht. Die Grüns sind schnell, da braucht es ein paar Löcher, ehe ich das wirklich glaube. Mehr Erde als Gras, schwer angeregnet – und trotzdem spurtreu und flott.

Auf der erwähnten 5, es ist exakt 13.09, begleitet uns der Ruf des Muezzins über die Bahn und lenkt uns ein wenig ab. Ich zum Beispiel habe Gelegenheit, den Bunkersand zu testen, der um meinen Ball herumstaubt wie Puderzucker.

Charakteristisch für den Platz sind hier, gegendtypisch, die Föhrenhaine entlang der Bahnen, unglaublich hoch, und manchmal ist dir auch eine einzige davon furchtbar im Weg. Die Bäume schlucken Bälle, sind wir überzeugt, ehe wir sie in den Piniennadeln doch wiederfinden. Wie es es sich aus solchen Lagen weiterspielt, kann man sich vorstellen.

Den kenn ich doch…?

Nein, wir haben hier keine der golfenden Legenden getroffen, die hier schon gespielt haben, zuletzt 2018 auf der European Tour. Trotzdem hast du, wenn du hier spielst, dank der Fernsehbilder immer mehr das Gefühl, den Platz schon zu kennen. Das Wasser entlang und vor dem Grün der 10, so heikel, dass manche auf die gegenüberliegende 11 ausweichen und doch wieder nur im Nassen landen. Die 14, ein Par 3, hinauf auf die höchste Erhebung des Platzes. Die 17, das Par 4, wo Tourspieler nicht einmal den Driver aus dem Bag nehmen (wir schon). Die 18 hinauf zum Clubhaus, wo der Schlag aufs erhöhte, uneinsehbare Grün präzise über die Bunker muss. Hätte man da nur einen Caddie …

Putzen statt neu kaufen

Die 80,- Euro, die Carya jetzt in der Nebensaison verlangt, sind wirklich mehr als gerechtfertigt. Auch, weil dir nach der Runde ein Schuhputzer seine Dienste anbietet, dich mit Schläpfchen fluchtunfähig macht und dir nach ein paar Minuten Golfschuhe zurückbringt, die du glaubst, noch nie im Leben gesehen zu haben! Aber es sind tatsächlich deine und praktisch wie neu. Den Riesenproshop mit Kleidung und Equipment brauchst du dann gar nicht mehr aufzusuchen. (Obwohl: Man kann ja mal schauen…)

Meine beiden Schweizer wollen unbedingt wieder hierher, ich war jetzt so begeistert wie vor Jahren bei der ersten Runde hier. Warum ich trotzdem im Titel „nahe“ an der Perfektion geschrieben habe? Weil diese blöden Flutlichtstangen überall weithin sichtbar herumstehen, damit man auch bei Dunkelheit Greenfeespieler lukrieren kann. Trotzdem: Carya ist außergewöhnlich. Auch für Belek.

http://www.caryagolf.com

Das Grün der 10, erst hier bist du beim Halfway-Haus angekommen.

Die 11, Blick zurück zum Halfwayhaus und auf die 10 vis-à-vis

Die 13, meine Lieblingsbahn, ermöglicht herrlich weite Abschläge ins „Tal“
Die 14, ein Par 3 hangaufwärts

Die 18 (re. im Bild), das Grün liegt ganz oben hinter den Bunkern, direkt vor der Clubhaus-Terrasse

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