Frühherbst in Vorarlberg, Teil 1: GC Brand – gute Kondition und starke Nerven für Alpingolf vor herrlicher Bergkulisse

„Golfen auf hohem Niveau“ verkündet die Club-Hompage des GC Brand und das unterschätze ich schon mal gewaltig: Ich starte an diesem Septembertag um 8:45 Uhr und es hat gerade einmal 9 Grad. „Jo, wir lieget halt auf 1.000 Metrrr“, grinst die Dame auf Vorarlbergerisch im Sekretariat, „und Sonne isch auch keine am Vormittag!“. Die Scorekarte fällt mir fast aus den klammen Fingern, aber ich lese: „Alpin Golf“. Tja. Deswegen bin ich hier.

Schon die Anfahrt war ein Erlebnis! In Vorarlberg fährt man ja sogar in Täler HINAUF… habe ich gelernt. Über viele Kurven und Kehren geht es über eine schmale Straße fast bis ans Ende des Brandnertals zum nach diesem benannten Golfplatz. Rundum Bauernhöfe, Hotels und Schilifte. Wenn ich schon einmal in Vorarlberg unterwegs bin, dann will ich auch g’scheite Plätze spielen. Heißt: solche, die mitten in den Bergen liegen. Ein wenig wärmer könnte es schon sein, aber der GC Brand liegt mit herrlichem Ausblick auf den Gletscher der Schesaplana in einem um diese Uhrzeit noch schattigen Nord-Süd-Tal. Wer hier Sonne will, muss im Sommer spielen oder um diese Jahreszeit erst zu Mittag anfangen. Einen Pullover im Proshop kaufen geht nicht. Der hat noch zu und liegt außerdem ein wenig entfernt an der Ortsstraße. Aber ich bekomme einen 20-Euro-Gutschein für den Einkauf nach der Runde dort, immerhin.

Präzision bitte!

Was ich als erstes sehe, als ich um das Clubhaus kurve (e-Trolley, unbedingt!! Oder nehmt euch gleich ein Cart.), sind – Ziegen. Sie grasen friedlich neben dem Puttinggrün. Auf einem Steilhang übrigens, der nicht der letzte des heutigen Tages bleiben soll. Die Runde beginnt gleich aufregend nebenan: Mein Vorarlberger Flightpartner Emil muss noch von dieser Seite des Wildbachs abschlagen, ich starte glücklicherweise erst drüben, nach der Brücke über den Bach. Die 1 schon ein wenig bergauf und schmal, wie erwartet. Das bleibt auch so, 18 Löcher lang. Bergauf, bergab und zwar STEIL, sehr schmal durch entweder Felsen oder Gräben – oder beides gleichzeitig. Die Herren können ihren Driver hier höchstens an zwei bis drei Bahnen auspacken, wir Damen ein wenig öfter. Sinnvoller ist aber immer, genau zu überlegen, wo man hinspielt. Und dorthin dann auch zu treffen. Ganz rasch sind die Bälle sonst verschwunden. Unerreichbar auf felsigen Höhen, im Wald oder in irgendeiner Schlucht.

Ich kämpfe mich tapfer voran, bemühe mich, bei den steilen Bergaufpassagen zum nächsten Loch mit Emil zu plaudern, ohne dass er mein Keuchen merkt. Immerhin hat man die Wege asphaltiert, was den Rollwiderstand des Trolleys mindert. Dafür sind manche Bahnen erstaunlicherweise relativ eben, zumindest jene, die bei der Platzerweiterung von 9 auf 18 seinerzeit terrassenförmig in den Berg gebaggert wurden. Auch Emil gibt zu: „Wir hätten nicht gedacht, dass sich da noch 9 weitere Löcher ausgehen.“ Die Grüns sind fast überall ziemlich klein, jetzt in der früh noch nass und der Ball pickt, wenn du eines triffst. Beim Anspielen sehen kann man sie nicht immer, aber das ist auch nur mehr ein Detail. Was du hier brauchst, sind Kondition, starke Nerven – und viele Bälle. Ach, das sagte ich ja schon.

A-tem-be-rau-bend

Was mache ich immer, wenn mein Spiel, nunja, sagen wir, mäßig ist? Ich erfreue mich an anderen schönen Dingen. Der Landschaft, zum Beispiel. Und die ist wirklich unglaublich hier. Berge, Gletscher, Wiesen, Kühe – alpenländischer und österreichischer geht kaum! Langsam schafft es dann auch die Sonne ins Tal und ab der 15 beginnen die Fairways endlich zu leuchten. Die 15 schlägst du übrigens steil bergab über ein Biotop und den Fluss in den Gegenhang mit Bäumen, ehe es WIRKLICH steil bergauf geht zum Grün irgendwo oben am Horizont, aber das nur nebenbei. Die 18, ein Par 3, spielt man dann wieder von hoch oben auf das Grün direkt vor das (eher unter das) Clubhaus. Emil und ich haben für 18 Löcher und fast 11 km gerade mal 3:20 Stunden gebraucht, außer uns sind noch kaum Menschen hier und schon gar niemand, der mir von der Terrasse aus zuschaut. Obwohl, die Ziegen, vielleicht.

Ich weiß jetzt, was Alpingolf ist. So luagt’s us.

gcbrand.at

Alpenländische Überraschung am Puttingreen
Finster ist es. Blick vom Herrenabschlag auf der 1. Der für Damen liegt drüben.
Easy im (schönen) Rückblick: das Par 3 der 3.
Der Abschlag passt schon mal. Aber noch ist die 4 nicht zu Ende…
Wie viele Höhenmeter könnten das sein? Egal. Man hat andere Sorgen am Abschlag der 5 😉
Die 6 begann steil bergab, wand sich blind nach rechts und dann liegst du hier.
Die 10 Richtung Halfway, immer den Gletscher der Schesaplana im Blick
Par 3 am Hang. Ist man auf der 13 schön gewöhnt.
Endlich mal was Breiteres auf der 14. Oder wird es am Ende doch schmal?
Siehst du die Fahne? Das Grün der 15 liegt fast auf selber Höhe wie ihr Abschlag. Dazwischen muss du runter und wieder rauf.
Wiese? Ach nein, die 16 bergab.
„Die mag ich goor nicht“, sagt Emil am Abschlag der 17. Wenig später weiß ich, warum.
Einmal noch tief runter auf der 18.

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