Frühherbst in Vorarlberg, Teil 2: GC Bludenz-Braz – Klostertaler Hanglage, etwas herb im Charakter

Im Süden Vorarlbergs, am Eingang zum Klostertal, liegt der GC Bludenz-Braz. Im Talboden eigentlich, der sich aber als veritabler Hang entpuppt. Schräglagen und kreative Bahnverläufe muss man mögen, wenn man hier auf die Runde geht, und einige Höhenmeter in Kauf nehmen. Dafür spielt man aber mitten in den Bergen.

Schon wieder Alpingolf! Nach Brand habe ich an diesem windstillen Septembernachmittag eine Startzeit in Braz reserviert. Im Clubsekretariat treffe ich diesmal keinen Vorarlberger, sondern ein waschechter Wiener spielt mit mir. Wir finden das beide recht witzig, bewundern schon mal das schöne Par 3 samt Teich vor dem Clubhaus und freuen uns auf die Runde. Ohne Platzkenntnisse starten wir los und merken nach ein paar Bahnen schon: Hier ist es ziemlich schmal. Wer lange (Ab)Schläge hat, ist besser vorsichtig bei der Wahl des Schlägers. Mein Flightpartner packt ab der 2 den Driver erst mal länger nicht aus.

Leider heute keine Berge

Bahn für Bahn schraubt sich der Platz nach oben, zwischendurch wird auch ein wenig bergab gespielt, auf der 5 zum Beispiel, einem sehr alpenländisch anmutenden Par 3, Holzhütte und Bauerngarten inklusive. Die Bahnen sind nicht allzu lang, bergauf tut man sich aber trotzdem schwer. Die Fairways stehen ein wenig zu hochflorig für unseren Geschmack. Hier wurde länger nicht gemäht, vielleicht, weil es am Tag zuvor geregnet hat. Immer noch hängen Wolken über dem Tal und versperren uns leider auch den Blick auf die Bergwelt rundum. Auf der 6, dem schwersten Loch, langes Par 4, steil bergauf, dazu noch ein 90-Grad-Dogleg, fehlt uns daher nicht nur der Ausblick, sondern auch der Roll – sehr.
Vorbei an malerischen Holzheustadeln spielen wir auf der 7 und 8, nach der 9 erwartet uns ein längeres Stück Waldweg, ehe das hübsche Knusperhäuschen der Halfway auftaucht. Leider wird es heute nicht bespielt, weil Wochentag. Wir absolvieren beide die 10 nicht sonderlich glamourös, ein superkurzes Par 3, aber komplett schief, schmal und außerdem steil aufwärts. Doch die ganze Mühsal bis hierher ist vergessen, wenn du am Abschlag der 11 stehst! Das Bergpanorama hier muss einfach großartig sein, stellen wir uns vor. Steil unter uns liegt das Fairway, das ein bisschen wie ein Schihang aussieht, würden wir Wiener sagen. Ich liebe ja Bergab-Abschläge, mein Drive kommt nach dem Holzhäuschen genau im Knie des Doglegs zu liegen. Das lief zur Abwechslung mal wie geplant.

Von nun an geht’s bergab

Auch die 12 ist ein Dogleg bergab mit tiefliegendem Grün, das ich von meiner Lage aus blind anspielen muss. Den höchsten Punkt des Platzes hat man jetzt zwar hinter sich, trotzdem bleibt es bei bergauf – bergab. Überhaupt wird das Layout des Platzes auf den zweiten Neun ziemlich, sagen wir, kreativ. Felder als Ausgrenzen werden umspielt, Hochspannungsmasten auch, man geht manchmal zum nächsten Abschlag zurück, dann wieder rauf, dann quer drüber. Ohne Platzübersicht auf der Scorekarte hätten wir uns längst verheddert. Das Grün da vorn – ist das unseres? Versöhnlich kommt am Ende endlich die 18 daher, ein Par 4 mit sehr viel Teich und ganz eben, eine willkommene Abwechslung.

Die Stimmung ist immer noch düster jetzt am späten Nachmittag, was gar nicht an unseren Scores liegt, sondern an den immer noch tiefhängenden Wolken. Wir sitzen auf der sehr schönen Clubhausterrasse bei einem kleinen Bier und vermissen die Bergkulisse. Fast 300 Höhenmeter haben wir auf dem Par-68-Platz absolviert, sagt die Pulsuhr meines Flightpartners, der den Platz übrigens nach einer im März überstandenen Coronaerkrankung inklusive Aufenthalt auf der Intensivstation mühelos gemeistert hat… Der gute Mann ist wieder fit und durchtrainiert, ich selbst spüre schon die Runde in den Beinen und bin froh über meinen e-Trolley. Die nachfolgenden Flights haben wir immerhin locker abgehängt.

Während ich Brand spektakulär gefunden habe, will hier in Braz der Funke bei mir nicht richtig überspringen. Ich vermute aber stark: Bei strahlendem Sonnenschein samt Rundumbergblick wäre das wahrscheinlich ganz anders. Braz bekommt irgendwann eine zweite Chance.

gc-bludenz-braz.at

Kurz und bündig: Par 3 der 5 bergab
Hier bitte herrliches Bergpanorama vorstellen! Auf dem Abschlag der 7
Einfach steil! Auf der 11 geht es unglaublich lang bergab…
Teppichfairways, fast ein wenig zu hochflorig
Dogleg und dann mit dem 2. Schlag runter auf’s Grün der 12
Irgendwo auf den Back Nine
Am Tee der 17, Par 5 Richtung Clubhaus
Hang- und Schräglage – mittlerweile hat man sich daran gewöhnt 😉
Erstmals wirklich Wasser auf der 18
Nach der Runde Richtung Clubhaus ohne Berge…
… und mit Bergen

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