Irland, letzter Teil (6): Powerscourt Golf Club/West – fifty shades of Green und Golf-Apartheid

Golf in Irland besteht ja nicht nur aus Links Courses, sondern auch aus jeder Menge Parklandkursen. Im County Wicklow, etwa eine halbe Autostunde südlich von Dublin, gibt es praktisch an jeder Ecke einen Golfplatz und zufällig lagen auch zwei neben dem Hotel, das wir gebucht hatten. Das Greenfee war deutlich teurer als im abgeschiedenen Norden, der Platz hervorragend, richtig willkommen fühlte ich mich aber nicht.

Eigentlich wollte ich ja gar nicht mehr golfen. Hatte meinen (nichtgolfenden) Mann nach der Proreise in Dublin getroffen, wir sahen uns die Stadt an (begeisternd!!), nahmen uns einen Mietwagen und begaben uns ein wenig weiter südlich. Hier ist Irland so grün, wie man es sich immer vorstellt: fifty shades of green, sozusagen. Unser Hotel lag mitten im Wicklow Mountain Nationalpark neben einem Herrenhaus samt Whiskydestillerie und großer Gartenanlage. Gleich nebenan – was soll ich sagen – der Powerscourt Golf Club mit zwei Kursen. Ich widerstand immerhin zwei Tage, dann flehte ich meinen Mann um vier Stunden Zeit an und buchte eine Teetime auf dem West Course, dem schöneren der beiden Kurse, wie mir der Concierge im Hotel sagte, der selbst gerade von der Runde kam.

Und immer der Zuckerhut im Blick

Schon auf dem Weg zum 1. Abschlag liegt links das beeindruckende Powerscourt House vor dir (Foto) und ich ignorierte das Putting Green (was sich wenig später als Fehler herausstellen sollte). Der Kurs beginnt mit einem Par 5, leicht ansteigend, auf samtigem Fairway, das Grün schon von weitem zu sehen und so in etwa bleibt es auch. Der Platz ähnelt eher jenen, die wir in Österreich kennen. Leicht bergauf und bergab, ein paar Kuppen, etwas Wasser, von Bäumen bis Wald umgebene Grüns. Die Fairways sind allesamt topgepflegt, die Grüns affenschnell. Wir erinnern uns, Putting Green, leider nein… Die Bahnen spielen sich gut, weil auch nicht allzu lang. Außergewöhnlich für mich, weil in den letzten fünf Tagen Luxus: Man sieht vom Tee bis zur Fahne und kann sich dem Loch von Anfang an strategisch nähern. Oder sich zu nähern versuchen. Zwischendurch wohl einige Doglegs oder erhöhte, von Bunkern gut verteidigte Grüns, aber das macht den Platz spannend. Auf den letzten Bahnen geht es bergab, weniger was das Spielkönnen betrifft, sondern deren Verlauf. Die Aussicht ist atemberaubend, das Herrenhaus sowieso, dahinter immer der Sugar Loaf im Blick und auf den Fotos, der Zuckerhut, der der Gegend ihren Charakter gibt (Foto). Es ist fast 19:30 Uhr, immer noch taghell hier in Irland und ich genieße die Ruhe und das Spiel sehr.

Golf-Apartheid: Gäste und Mitglieder

Das ändert sich, als ich das Clubrestaurant betrete. Ich bin nach der Runde mit meinem Mann hier verabredet, um ihm eines der „netten irischen Clubhäuser“, die ich bis jetzt kennengelernt habe, zu zeigen, schicke ihm aber sofort nach Betreten per Whatsapp: Wir essen besser im Pub. Das Restaurant hat doch tatsächlich zwei streng voneinander getrennte Bereiche: einen eher spartanischen ohne Tageslicht für Gäste, einen chic eingerichteten mit toller Aussicht auf den Platz für die Mitglieder. In der Mitte, mauergleich, die Theke. Der Barmann kann beide Seiten bedienen, und als Gast kannst du immerhin rüberschauen in den Membersbereich (Foto). Ist sicher auch praktisch, wenn man die Runde mit einem Mitglied spielt, der Unterhaltung wegen…

Irland ist einfach wunderbar!

Dieser ungastliche Abschluss ist ungerecht. Ich habe Irland lieben gelernt und werde mit Sicherheit wiederkommen. So freundlich und offen, wie einem die Menschen hier entgegenkommen, so wunderbar, wie die Landschaft ist – karg oder grün – so pittoresk die Städtchen sind, so cool und jung Dublin rüberkommt – das ist ganz sicher wieder eine Reise wert! Ach ja, Golfen kann man hier auch ganz gut.

http://www.powerscourtgolf.com

Edel putten üben
Komplett allein unterwegs. Den Rettungsring könnte mir niemand zuwerfen…
Hübsches Par 3 mitten im Wald
Fast immer im Bild: Sugar Loaf – der Zuckerhut Irlands
Spielt sich ganz wunderbar
Samt-Fairways mit Zuckerhut
Gut verteidigtes Grün, die 17
Die 18 – edler geht’s nicht
Die Enttäuschung: Als Greenfee-Gast hast du hier zu sitzen – die Mitglieder haben ihren abgeschotteten Bereich. Die Bar ist dazwischen…

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