Circolo Golf Venezia: Venedig sehen und … golfen!

Wer an Venedig denkt, denkt nicht automatisch an Golf. Sollte man aber. Das Spiel im charmanten, altehrwürdigen Parklandkurs Circolo Golf Venezia am Lido ist wahrlich ein Erlebnis, das schon mit einer außergewöhnlichen Anreise beginnen kann.

Ich liebe ja Venedig, war dort aber noch nie golfen. Den Golfclub auf dem Lido hatten mir einige empfohlen, die Anreise schien mir aber immer zu mühsam. Heuer hatte ich mich deshalb einer Gruppe angeschlossen, die das Veneto golferisch unsicher machte. Vom Hotel in Jesolo aus starteten wir an einem eiskalten Märzsamstagmorgen schließlich Richtung Circolo Golf Venezia.

Anreisen könnte man auch mit dem eigenen Auto per Fähre oder nobel in edlem Mahagoni mit einem Taxi-Boot. Wir aber fuhren vom Anleger Punta Sabbioni mit dem Vaporetto Nr 14 etwa 20 Minuten nach Santa Maria Elisabetta / Lido. Während unsere Bags direkt zum Golfclub gebracht wurden, bestiegen wir einen ganz normalen Linienbus, der nach mehreren Stationen direkt vor dem Zugang zum Circolo Golf Venezia hielt. Dessen Haltestelle ist übrigens auf keinem Plan zu finden und wird nur bei Bedarf angefahren. Egal, wie man angereist ist, quert man eine kleine Holzbrücke mit anmutig im Wasser schaukelnden Booten darunter, passiert einen kleinen Tunnel und steht im (eher … schlichten) Entrée des noblen venezianischen Golfclubs.

Wir sind alle Dilletanti

Erfreulicherweise warten dort schon unsere Bags säuberlich aufgereiht, es gibt je nach Wunsch Leihtrolleys oder Carts für uns und vor der Runde noch schnell einen Campari Orange auf der Clubhausterrasse (Ich schwöre, ich wollte beim Selbstbedienungs-Buffet eigentlich Kaffee für unseren Flight holen.) Wir prosten uns zu und lachen über unsere Scorekarten, die wir mit unseren Namen und dem im Deutschen scheinbar schonungslos ehrlichen Zusatz „Dilletanti“ (ital. Amateure) von unserem Reiseleiter in die Hand gedrückt bekommen haben.

Auf dem Weg zu Tee 1 stilgerecht Steinlöwen und Teile der alten Kaserne der ehemaligen Festung im Hintergrund. Der Abschlag selbst auf den alten Festungsmauern und über ein Wasserhindernis. Rundum wunderschöner alter Baumbestand, und, das merken wir bald, eine Unzahl von Bunkern mit hohen Kanten. Die Bahnen werden dadurch großteils schmal, vor allem für Menschen mit langen Schlägen. Auf den noch kurzen Fairways und dem harten Boden rollen die Bälle lang aus. Die Grüns sind ordentlich für die frühe Jahreszeit. Überraschend für mich, dass der Platz nicht wie erwartet völlig flach ist, sondern durchaus mit Höhenunterschieden und Schieflagen aufwartet.

Wirklich spektakulär ist der blinde Abschlag auf dem Par 3 der 9. Bahn. Damen- und Herrentee sind nur wenige Meter voneinander entfernt, das Grün liegt hinter einem haushohen Festungshügel, der auch noch links und rechts durch Bäume und Gebüsch verengt wird. Etwa 150 Meter schlägt man von hier (wenn man das kann) auf das sehr tief unten liegende Grün. Die folgenden Bahnen winden sich durch das nun flacher werdende Gelände und sind einander nicht unähnlich. Einen Golfkurs baut man heute anders, aber mir gefällt, was ich spiele. Meerblick gibt es erstaunlicher Weise auf dem Lido nicht. Lediglich von den außenliegenden Bahnen 13 und 14 sieht man ein paar Wellen, wegen des Hafengebiets Malamocco aber weder interessant noch hübsch anzusehen. Das macht aber nichts, weil die vielen uralten Föhren, Pappeln und Weiden, und die wenigen, aber sehr attraktiven Wasserhindernisse die besonders schöne Optik des Platzes bestimmen.

Ein Autobauer, eine Festung und ein Linkscourse

Kaum vorstellbar, dass hier vor fast 100 Jahren noch „venezianische Links“ waren und der Grund dafür, warum man auf dem damals unwirtlichen Landstrich mit Dünen, sandigem Boden und Wind den Golfplatz baute. Der Legende nach machte nämlich Autopionier Henry Ford 1927 Urlaub im Hotel Excelsior am Lido, hatte Bag und Schläger im Gepäck und suchte vergeblich nach einer Möglichkeit zum Golfen. Das konnten die Venezianer nicht auf sich sitzen lassen, und bald war das Grundstück in Alberoni am südlichen Ende des Lido gefunden. Man holte einen schottischen Golfplatzarchitekten, der rund um die bestehende Festung aus dem 17. Jahrhundert erst einmal 9 Löcher anlegte, und eröffnete den Circolo Golf Venezia schon 1928. Europäische Diktatoren, um keine Namen zu nennen, spielten am Lido, aber auch der Duke of Windsor und Sir Henry Cotton. Nach dem 2. Weltkrieg hatte man den Ehrgeiz für die Erweiterung auf einen richtigen Par-72-Platz, der 1951 eröffnet wurde. Das Clubhaus schmücken Fotos von Golfgrößen wie Arnold Palmer, Severino Ballesteros oder Francesco Molinari.

Italienischer Charme macht manches wett

Irgendwie hat man das Gefühl, dass sich seither nicht viel verändert hat. In der tiefstehenden Sonne spielen wir die sehr schönen Bahnen 16 und 17 und schließlich das Dogleg der 18, dessen Grün vor dem Clubhaus liegt. Wir bekommen gerade noch eine warme Mahlzeit serviert, weil unser Reiseleiter die Küche erfolgreich daran gehindert hat, schon zu schließen. 39 konsumierungswillige Gäste waren wohl doch ein gutes Argument. In der jetzt untergehenden Sonne genießen wir noch die Zeit, ehe der Linienbus wieder vorbeikommt und beobachten drei sehr betagte, fröhlich plaudernde Venezianerinnen, die in Pelzmänteln auf der Terrasse beim Prosecco sitzen.

Mein persönliches Fazit

Wenigstens einmal im Golfleben sollte man auf dem Lido gespielt haben! Der Platz ist nicht perfekt, manches ein wenig nachlässig vielleicht, ein Update wäre nicht schlecht. Darum geht es hier aber gar nicht: Die Kombination aus Anreise, Flair, Landschaft und einem kräftigen Hauch Geschichte machen den Circolo Golf Venezia einzigartig auf seine Weise und ganz wunderbar.

Und noch eine Empfehlung: Christian Freidl / Golfsociety Austria veranstaltet alljährlich diese mehrtägige Golfreise ins Veneto mit dem Circolo Golf Venezia als Höhepunkt, der ich mich heuer angeschlossen hatte. Er bucht das Hotel und die Startzeiten auf allen Plätzen und organisiert auch die ungewöhnliche Anreise zum Lido komplett. Ich musste mich um gaaar nichts kümmern außer um mein Golfspiel. Und das ist schließlich Herausforderung genug.

circologolfvenezia.it

     

Golfeingang á la Venezia

      

      

Eindrucksvoller Abschlag von oben auf der 1 (Par 4)
Hätte ich mich nur besser links gehalten. Von hier ist das Grün der 3 schwer anzuspielen.
Typisches Par 5 in Venedig mit tiefen Bunkern – die 6
Eines der seltenen Wasserhindernisse auf der 8
Blinder Abschlag auf der 9 für Damen und Herren praktisch gleich. Leicht links halten, denn…
… dort tief unten liegt 154/148 Meter weiter das Grün.
Welliges Par 3 der 12. Zu kurz wird eher bestraft.
Die 14 beginnt breit und endet schmal inmitten tiefer Bunker
Tee 16 über den Fluss und tunlichst an der Schirmföhre vorbei. Links das Grün der 15
Malerisch, auch jetzt, ohne Laub auf den Bäumen: die 16
Noch einmal ein blindes Dogleg Richtung Clubhaus: Par 4 der 18

 

Ein Kommentar zu „Circolo Golf Venezia: Venedig sehen und … golfen!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s