Golf de Biarritz – Le Phare: viel Tradition am Atlantik und ein Croissant als Halfwayverpflegung

Wer an Biarritz denkt, denkt an Surfen, Strandpromenaden, elegante Hotels und Coco Chanel – das alles hat Tradition am Atlantik. Passend dazu kann man praktisch mitten in der Stadt auch golfen und sogar ein bissl das Meer sehen.

Es ist 8.30 Uhr, als mich das Taxi vor dem Eingang zum Golfplatz absetzt. Gerade geht an diesem Septembermorgen hinter dem eindrucksvollen Portal die Sonne auf. Seit 1888 gibt es den Golfplatz neben dem Leuchtturm von Biarritz (drum auch: Le Phare). Rund um den Platz hübsche Einfamilienhäuser, Villen und Appartments. Bestimmt gab es hier ursprünglich 9 Bahnen, wie das Layout vermuten lässt, später sind jenseits der kleinen Straße wohl weitere 6 dazugekommen. Sich ein wenig überschneidend hat man einen 18-Loch-Kurs mit Par 69 auf das Gelände zwischen den Häusern gequetscht. Soll heißen: Es wird zuweilen ein wenig eng.

Nicht nur durch die herrlichen alten Pinienreihen, die die Bahnen säumen, sondern auch, was den Betrieb betrifft. Der Platz ist schon jetzt sehr belebt und bis zum frühen Nachmittag ausgebucht. Ich spiele im Flight mit drei ortskundigen Franzosen, die auf der 1 schon mal die Bälle seitlich in die Pinien dreschen. Merke: Wer nicht allzu lang ist wie ich, dafür aber gerade, ist und bleibt hier klar im Vorteil.

Hin und her

Nach dem heißen Sommer sind die Fairways immer noch ziemlich grün, lassen sich auch gut spielen. Der Boden ist hart, die Bälle rollen lang aus. Generell ist der Platz gut gepflegt, die Grüns sind ein wenig pomali, wie die Wienerin sagt, tendieren also eher gegen langsam. Wir hingegen spielen flott, ich krame mein Schulfranzösisch heraus, in dem die Vokabeln für Golf aber gänzlich fehlen. Es heißt LE trou und LA balle, ab der 4 geht es „descente“, also bergab, wenn auch nur leicht und dafür mit Blick auf den Atlantik. Die Bahnen bleiben eng, meist aber relativ unspektakulär, das Anspielen der Grüns ist dafür kein Spaß, weil sie sehr gut bunkerbewacht sind. Auf der 9 bietet mir einer der Herren dann tatsächlich stilecht die Hälfte von seinem Croissant als Halfwayverpflegung an! Wir queren wieder die kleine Straße und begeben uns zurück Richtung Clubhaus, sehr schmuck hinter hübschen Gräsern.

Mehr Spannung auf den zweiten 9 

Ab der 10 wird Le Phare ein wenig spannender: Die Bahn  endet vor einem Riesenkrater, ohne Wasser zwar (gibt es auf dem ganzen Platz nicht!), aber äußerst ballfressend unmittelbar vor dem Grün gelegen. Davor muss man warten, weil der Abschlag der 18 kreuzt… Wunderschön die 11, erst leicht bergauf, dann hinunter Richtung Grün. Nur 87 Meter sind es auf dem „trou suivant“, dem nächsten Loch, vom roten Tee auf das hoch gelegene Grün der 12, die Herren haben knapp 100 Meter. Der Platz alten Stils bietet keine wirklich gefinkelten Hindernisse wie moderne Layouts das tun. Ein paar Bunker, Bäume, das war’s. Klingt fair, bevorzugt hohe Hcps, bietet aber trotzdem ausreichend Schwierigkeiten, auch für bessere Spieler mit großen Weiten. Die langen Bälle der Herren verirren sich nach wie vor oft in den seitlich enggepflanzten Pinien.

Vorsicht: Bahn kreuzt

Dass ich nicht allein spiele, freut mich noch einmal so richtig auf dem Par 3 der 14. Dort schlägst du über einen tiefen Graben auf das Grün, freust dich, willst zum Ball eilen und zum Glück von den Flightpartnern gebremst: Von rechts zischen die Teeshots des Vorderflights auf der 15 vor uns vorbei. Große Hinweistafeln wären wohl nicht elegant genug.

Ein sehr langes Par 5 dann die 16 und irgendwie hat man ein bisschen das Gefühl, die hätte man schon gespielt. Abwechslung dann auf der 17, schon wieder ein tiefer Graben und ein Par 3. Danach beobachten wir links unten ballsuchende und fluchende Golfer in der Grube – wir erinnern uns, die 10 – und schlagen derweil ab. Die 18 biegt sich natürlich zum Clubhaus, mir gelingt ein langer Putt und rettet, was ich zuvor versemmelt habe.

Wir beenden die Runde so stilecht, wie es sich für Biarritz gehört: bei einem Glas Weißwein auf der Terrasse.

Mein persönliches Fazit

Sicher kein grandioser Platz was das Layout betrifft, aber ein schöner Parklandkurs mit altem Baumbestand, ohne jegliches Wasser und mit entzückendem Clubhaus. Wer in Biarritz nächtigt, kann das Bag schultern und zu Fuß hingehen. Unglaublich fairer Preis von 62,- im Frühjahr oder Herbst.

golfbiarritz.com

Da weiß man gleich, was einen erwartet: Tradition und Septembersonne
Tee 1: Man beginnt mit einem sehr schmalen Par 5
Nur scheinbar breit, die 3. Links droht das Aus, rechts der Wald
Jenseits der kleinen Straße führt die 4 bergab und man sieht bis zu den Bergen an der Grenze zu Spanien und auch ein bisschen Atlantik
Immer wieder Häuschen hinter den Grüns und Bunker drumherum
Geradewegs zum Meer führt das Par 4 der 7
Par 3 mit Pinien und sonst nix – die 8
Blick zurück vom Grün der 9
Wieder im Teil oberhalb der Straße, das dicke Ende der 10 in Form eines ballfressenden Trichters vor dem Grün
… dafür rechts ein schöner Blick auf das topgepflegte Grün der 13
Das Par 3 der 14 über einen Graben. Vorsicht bei der Schlägerwahl, zu kurz ist keine gute Option
Am Tee der 15 spielt man über die selbe Grube auf eine schnurgerade Bahn (Par 4)
Ganz ähnlich die lange 16 – den Herzbunker kann man auslassen. Heikel: die Baumreihen seitlich (Par 5)
Ohne Graben geht’s wohl nicht auf den Par 3 – hier die 17
Leichtes Dogleg nach links und dann natürlich das Grün vor dem Clubhaus – Bahn 18 (Par 4)
Das Clubhaus und davor in Bronze Arnaud Massy, der einzige Major-Gewinner Frankreichs (1907)

 

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