Bayern 3 – Golf-Club Feldafing: 100 Jahre Golftradition am Starnberger See

Am Westufer des Starnberger Sees, unweit von Schloss Possenhofen (Sisi!) liegt in einem historischen Park eingebettet der GC Feldfing. Das bedeutet: sehr viele Bäume, oft enge Bahnen, aber ab und zu auch einen lohnenden Blick auf den See.

Die Fotos täuschen: es schaut düster aus, hat aber an die 30 Grad und ist unglaublich schwül an diesem Augusttag. Feldafing ist ein Traditionsplatz, 1926 gegründet und sogar US-Präsident Dwight D. Eisenhower hat dort schon gespielt! Ich bin immerhin mit dem Präsidenten der Golfsociety Austria unterwegs, der für uns eine viertägige Bayerngolfreise zusammengestellt hat, und starte gleich im ersten Flight. Heute auf der 10 – ich möchte euch den Platz aber in der richtigen Reihenfolge vorstellen.

Viel Park und ein bissl See

Was für eine schöne Allee, denke ich am Tee der 1, um dann gleich in den „Aber-wir-spielen-ja-hier-Golf“-Modus zu wechseln. „Schöne Allee“ ist beim Golfen relativ. Ist man später beim Schlag auf das Grün zu kurz, liegt der Ball leider links unten. Auf der 2 scheint erstmals ein wenig die Sonne und beleuchtet den blauen See hinter dem Par 3 (Titelfoto!), das Bach, Enge und Bunker bietet und daher mehrere Möglichkeiten an Fehlschlägen. Wenig seitlicher Platz begleitet uns auch auf den nächsten Bahnen – zu eng steht der Wald an den Fairways. Der 4 beschert wohl genau diese Enge Hcp 1, bei der 5 steht im Birdiebook drohend „Schmieden Sie sich ihren eigenen Plan. Ein Bogey ist hier ein gutes Ergebnis“. Ich schmiede und plane, aber der Dreiputt am kniffligen Grün macht genau 2 Schläge zuviel. Noch enger geht’s nicht? Von wegen, auf der 5, einem langen Par 5, das durch den Anstieg noch länger wird, hätte man den Ball am liebsten im Zickzack durch die Bäume gedroschen. Wir atmen auf am Tee der 7, der Herr im Flight freut sich über nur 300 Meter bis zum Grün, das aber quer in einer Senke liegt und stark nach rechts hängt. Heißt für uns Alle: der 2. Schlag ist schwer einzusehen und für Überraschungen gut. Die 8, ein Par 3 zum Verschnaufen, ehe die 9 wahrlich mitten durch den Park und leicht ansteigend zurück zum Clubhaus führt.

Anstiege, Gefälle und Bäume, Bäume, Bäume

Auf der 10 gibt es neben den gelben Abschlägen eine Art Hochstand. Hier soll allerdings kein Wild beobachtet werden, sondern sichergestellt, dass auf dem querenden Weg keine Fußgänger:innen unterwegs sind. Leider sagt uns das vorher niemand, und eine Dame mit Hund schaut später böse. Vor uns der See und ein winziges Grün. Historisches auf der 11: Der Abschlag liegt auf Grundmauern des von König Maximilian II. geplanten Schloss Feldafing. Die Räumlichkeiten unter dem Abschlag waren als Weinkeller vorgesehen. Uns ernüchtert die Tatsache, dass ein zu kurz geratener Ball steil nach links unten die Böschung hinunter rollt. Zwei Doglegs in Folge, die entweder durch riesige Einzelbäume erschwert werden oder durch querende Bäche in der Landezone. Vorlegen oder drüberspielen? Fad wird uns nie, heiß ist uns immer, die Steigungen bei dieser hohen Luftfeuchtigkeit sind nicht ohne.

174/155 Meter haben wir auf dem Par 3 der 14 aufs Grün zu spielen, das Gelände steil ansteigend, seitlicher Wald und noch dazu ein Grün mit Kante. Ich habe mich strategisch dermaßen verausgabt, dass ich vergesse, die 15 zu fotografieren, aber das Par 3 der 16 ist ohnehin fotogener: steil bergab, der rote Abschlag sehr weit rechts positioniert, was den Grüntreffer nicht leichter macht, maulen wir Damen. Aber dann – herrlich – liegt die breite 17 vor uns! Wieder bergauf, ok, das könnte sie länger machen. Und dann doch jede Menge vereinzelter Bäume und schließlich ein hochliegendes Grün mit einer grooooßen Welle… Wir schnaufen oben angekommen und genießen erst einmal den Blick auf den See und die Alpen. Es geht bergab auf der 18 und das Par 5 knickt in der Mitte nach rechts. Das wäre kein Problem, stünden nicht genau in Richtung Grün zwei riesige Bäume mitten am Fairway. Wir meistern auch diese Bahn würdevoll, immerhin.

Mein ganz persönliches Fazit

Sehr traditioneller, aber auch sehr anspruchsvoller Par-71-Platz mit Anstiegen und Gefälle. Wenige Bunker, dafür schwierige Grüns und Bahnen mitten durch den alten, optisch sehr schönen Baumbestand. Unerwartet modern eingerichtetes Restaurant mit exzellenter Küche.

www.golfclub-feldafing.de

Insgesamt habe ich auf meiner Tour durch Bayern 6 Plätze gespielt: schon im Blog Das Achental und  St. Eurach. Demnächst hier: Bergkramerhof, Tutzing und Tegernsee-Wiessee!

Erst die Allee, dann abwärts und möglichst über rechts aufs Grün der 1 (Par 4)
Nur wenig Platz vom Tee der 3 und leicht nach links gebogen (Par 5)
Die 4: kurzes Par 4, aber erstaunlicher Weise die schwierigste Bahn des Kurses
Die 5 ansteigend, schmal und später quert ein kleiner Bach die Bahn (Par 4)
Verdammt eng, das Par 5 der 6 und noch dazu bergauf und daher noch länger!
Schmales, stark nach rechts hängendes Grün in einer Senke am Ende der kurzen 7 (Par 4)
Schöner alter Baumbestand auf der 9 und dennoch – wie es scheint – genügend Platz (Par 5)
Abwärts Richtung See auf das kleine Grün der 10 (Par 4)
Abschlag auf historischen Mauern auf der 11. Rechts halten und Grün treffen, wäre hier am besten
Der Ball liegt ganz gut im Knie der 12, aber noch sind wir nicht am Grün (Par 4)
Zu Recht Hcp 2: das Par 4 der 13 quert ein Bach und verläuft hinter den Bäumen engagiert nach rechts.
174/155 Meter aufs Grün der 14. Die Optik sagt schon alles.
Ein schräg gesetzter roter Abschlag macht das Par 3 der 16 nicht einfacher
Endlich Weite! Oder doch nicht? Steil bergauf führt das Par 4 der 17, und Bäume gibt es auch hier genug
Die 18: ja, hinter diesen Bäumen geht es zum Grün vor dem Clubhaus (Par 5)
Das 18. Grün vor dem hübschen Clubhaus

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