Carya ist eindeutig die Nummer 1 in Belek und an sich schon ein Erlebnis. Carya ist aber laut Scorekarte auch der „erste und einzige komplett flutlichtbeleuchtete Platz Europas“. Ich begab mich also auf die Suche nach Erleuchtung und erhielt 9 Bahnen Höllenspaß.
Die wunderbare Ehefrau vom Siemens-Organisator hat immer wieder richtig gute Ideen. Diesmal: Spielen wir doch am Abend zum Drüberstreuen noch 9 Löcher bei Flutlicht in Carya. Den Platz kenne ich bereits seit 2019, Spielen bei Flutlicht ist allerdings vollkommen neu für mich. Also bin ich eine der Vier, die heute auf das Abendessen verzichten und stattdessen eine halbe Runde Golf wählen. Als wir gegen 19 Uhr am Platz ankommen, dämmert es noch nicht mal. Daher rein ins feudale Clubhaus mit viel Marmorboden, Holztäfelung, Messing und imposantem Proshop. Während wir uns einen Kaffee vor der Runde gönnen, wird es draußen dunkler und das Flutlicht geht an.
Nacht ohne Schatten
Am Weg zur 1 kriegen wir schon einen ersten Eindruck, wie gut beleuchtet die Anlage ist. Neben den samtgrünen Abschlagboxen gibt es auf der Böschung immer noch den Schriftzug „GOOD LUCK“. Die Bahn vor uns ist schattenlos in Licht getaucht. Viele Shades of Green, dazwischen weiß leuchtende Bunker. Rechts und links des komplett ebenmäßigen Fairways ein Wald aus hohen, sauber bis zu den Baumkronen entasteten Kiefern-Stämmen. Nichts blendet uns, aber jede Welle, jede Senke und das Grün am Ende des Par 4 sind zu erkennen. Die einzigen Schatten werfen wir selbst. Über allem der noch nicht ganz dunkle Himmel. Glücksgefühle.
Kleeblatt-Bunker bewachen des Grün der 2, das links knapp neben den Pinien liegt. Ein verzogener Ball findet sich auch unter den Bäumen leicht; es gibt kein Unterholz. Hat man Glück, liegt der Ball sogar im Gras und lässt sich leicht chippen. Grandios finde ich die 3, deren Fairway durch eine haushohe Piniengruppe in der Mitte geteilt wird. Unsere fliegenden Bälle, sogar jene unseres Longhitters, sind mühelos zu sehen, weiß angestrahlt vor dem jetzt dunkelblauen Himmel.
Wo der Fuchs „Gute Nacht“ sagt
Auf der 4 führt unser Abschlag über wie mit der Nagelschere getrimmtes Buschwerk. Unbill lauert auf dem Par 4 erst am Schluss in Form einer malerischen Reihe aus Grünbunkern. Spektakulär die 5, die nach rechts über den Teich knickt und auf einem bösen, zum Wasser abfallenden, stark kupierten Grün endet. Noch mehr tricky als sonst die 6, ein kurzes Par 3, das nur aus Teich und Grün besteht. Die kurz gesteckte Fahne lässt mich zum zu kurzen Schläger greifen… Der guten Laune ist aber nichts abträglich an diesem Aprilabend, gar nichts. Wir meistern jede noch so feinsandige Bunkerlandschaft, spielen auf und mit den gewellten Fairways und freuen uns des Lebens. Spooky: Auf den Bahnen hinter uns wird es wie von Zauberhand finster.
Die 8, ein mega Par 3 mit einem rechts knapp neben den Pinien liegenden Grün. Und etwa 7 oder 8 Bunkern drumrum, die wir aber mehrheitlich auslassen. Auf der 9 leuchten erst die Augen eines Fuchses aus dem Gehölz und später unsere, wenn die Putts auf dem stark ondulierten Grün endlich fallen.
Bonus-Bahn
Unsere Runde endet jetzt, aber nach der 9 ist man in Carya vom Clubhaus ziemlich weit weg. Ein ganzes Par 5, genau genommen. Als wir uns gerade fragen, ob wir die Distanz bloß zurückgehen sollen oder die 10 spielen dürfen, kommt ein Marshal aus dem Gehölz gefahren und winkt uns freundlich durch. Unsere Bonus-Bahn ist ganz klar eine der spektakulärsten des Platzes: die linke Seite durchgehend am Wasser, rechts der Pinienwald und am Ende ein Halbinselgrün.
Gewissermaßen erleuchtet und sehr begeistert holen wir im 24-Stunden-geöffnet-Pub unseres Hotels das Abendessen mit warmer Suppe & Burger nach. Es ist etwa 23.00 Uhr. Ein Besuch an der Bar geht sich heute auch noch aus.
Mein persönliches Fazit
Klar: Flutlicht ist für Golf nicht essenziell notwendig – wir haben genügend Tageslicht für unsere Runden, auch im Frühjahr. AAAABER: So eine (halbe) Runde auf einem so exzellenten Platz ist schon ein besonderes Highlight einer Belek-Golfwoche! 9 Löcher reichen für einen guten Eindruck durchaus.
Was ich diesmal noch gespielt habe? Die 3 Cornelia-Kurse, Sultan und National!
Carya habe ich schon 2019 gespielt. Damals bei Tag, und da gefielen mir die Flutlichtmasten so gar nicht… Aus demselben Jahr Gloria/New Course, Montgomerie Maxx Royal und Nobilis












3 Kommentare zu „Belek – Carya bei Flutlicht: erleuchtete Glücksgefühle“