Belek – National Golf Club: der klassische Perfektionist

Der älteste Golfplatz von Belek also. Für westeuropäische Verhältnisse immer noch ein Jungspund; National wurde 1994 gebaut. Der Kurs protzt nicht, hält sich nobel zurück, bleibt klassisch im Layout. Und ist doch voller (Ra)Finessen.

Eigentlich wäre heute ein freier Tag eingeplant, aber die Zusatz-Runde am National, den ich noch nicht kenne, lockt mich. Geplante Startzeiten für unsere beiden Flights ab 14:45 Uhr. Um diese Jahreszeit befürchten wir ein Spielende in der Dämmerung. Als wir etwa eineinhalb Stunden vor Teetime ankommen und auf Driving Range bzw. Kaffee im Clubhaus eingestimmt sind, winken uns die Caddymaster durch zum 10. Abschlag. Wir klauben in aller Eile Tees und Bälle aus den Bags und starten unaufgewärmt und unvorbereitet – legen unsere Bälle aber trotzdem allesamt Mitte Fairway. Wir spielen die Back Nine zuerst – für euch aber hier der Kurs in der gängigen Reihenfolge.

Park-Land, geschniegelt

Als man in Belek Anfang der 1990er-Jahre den riesigen, parallel zum Strand verlaufenden Pinienwald hinter den Hotels rodete, tat man das sehr sanft. Für den National ließ man jede Menge Bäume stehen, die die Fairways und Grüns einrahmen. Heißt meistens: wenig Platz für abdriftende Schläge. Man wähnt sich mitten im Wald, durch den sich die 1 sanft gewellt in Schlangenlinie windet. Das folgende – optisch entzückende, aber herausfordernde – kurze Par 3 über den Teich ist eine Ausnahme, ehe es weiter durch den Wald geht. Blinder Abschlag über die Kuppe auf der 3 – in der Landezone betätigt man eine Glocke, und signalisierte so dem nachspielenden Flight, dass er abschlagen kann. („Habt ihr die Glocke gehört?“ – „Nein.“) Die 4 ist die schwierigste Bahn, weil auf ihrer gesamten Länge rechts dichter Wald und links ein Teich präzise, lange Schläge erfordern. Am anderen Ufer des Teichs liegt eine kürzlich fertiggestellte Apartment-Anlage, auf die ich gern verzichtet hätte. Ansonsten bleibt National wunderbar einsam und ruhig, sieht man von unseren gelegentlichen Unmutsäußerungen bzw. (seltener) Schlag-Begeisterung ab. Auf ein langes Par 3 folgt das Dogleg der 6 mit einer tiefen Mulde am Ende, die, bei heute kurz gesteckter Fahne, meinen ebenfalls kurzen Ball frisst, der eigentlich für das Grün gedacht war. Die Grüns sind generell nicht sehr groß, aber schnell und nicht sehr offensichtlich, aber eben doch onduliert. Und allesamt makellos. Der Teeshot der sehr schönen 8 muss über einen großen Teich, ehe sich die Bahn immer schmäler nach links Richtung Grün dreht. Ein weiterer Seerosenteich links davor macht nur optisch Freude… Die 9 zum Clubhaus wird durch eine hübsche Piniengruppe geteilt. Das Fairway links davon sollte die Wahl sein – die rechte Seite endet (zumindest für mich) auf einer seitlichen Böschung.

Teppiche, makellos

Die 10 in leichtem Bogen mit Bäumen genau dort, wo man sie nicht braucht, um das Grün anzuspielen. Eher links statt Mitte Fairway zu spielen wäre angebracht. Die 11 ein ebenes, geradezu malerisches und sehr kurzes Par 3 mit listig platziertem Grünbunker. Das Par 5 der 12 führt erst über einen Wassergraben, später auf ein sehr hoch oben liegendes Grün und gefällt mir ganz ausgezeichnet. Das Fairway, wie alle anderen auch, ein makelloser Teppich. Überraschend die 14 mit blindem Abschlag über Welliges und danach einem Teich links, der den Weg zum Grün verschmälert. Das frontale Wasser beim Abschlag der 15 macht keine Probleme, die 16 ist ein eher unscheinbares Par 3, die 17 ein Dogleg nach rechts mit einem prachtvollen Grün-Ende. Im Bogen führt das Par 4 der 18 zum Clubhaus zurück, links ein Teich mit Pinien-Insel. Also rechts halten und schon zieht einer der weißleuchtenden Bunker meinen Ball magisch an. Auch bei regulärer Startzeit hätten wir unsere Runde übrigens nicht im Dunklen zu Ende spielen müssen: auf den Bahnen 15-18 gibt es Flutlicht.

Und noch etwas: Der Schwede Mikael Lindberg hat den Kurs Anfang Mai bei den Turkish Airlines Open mit -10  gewonnen. An diesen Score reichte meiner, nun ja, nicht ganz heran.

Mein persönliches Fazit

1A-gepflegter Parklandkurs im westlichen Pinienhain von Belek mit klassischem Design und erfreulich wenigen Fairwaybunkern. Einfach zu spielen ist der Par-73-Championshipkurs selbstverständlich trotzdem nicht. Im April war die DP World Tour am National zu Gast. Sehr schönes Clubhaus mit britischem Flair, kleiner Proshop. Während der Drinks im Clubhaus reinigt man beim Caddymaster deine Schläger.

www.nationalturkey.com

Was ich diesmal noch gespielt habe: die 3 Cornelia-Kurse, Sultan und eine Flutlichtrunde in Carya!

Mehr Belek? Im Blog auch meine etwas älteren Eindrücke aus dem Jänner 2019 zu Carya, Gloria/New Course, Montgomerie Maxx Royal und Nobilis

Very britishes Entrée
Bahn 1 mitten im Wald: welliges Par 5 in Schlangenlinie
116/92 wohl zu dosierende Meter auf das Grün der 2
Blinder Abschlag auf der 3 (Par 4)
Bahn 4, Par 4: die schwierigste Bahn des Kurses, schmal am Wasser entlang
Bahn 5: Wald-Par-3, mit 146/140 Metern schon etwas länger
Dogleg nach links und am Ende eine tiefe Mulde vor dem Grün: die 6 (Par 4)
Perfektion pur: das Grün der 7
Das malerische Ende der 8 (siehe auch Titelbild)
Rechts oder links von der Baumgruppe auf der 9? (Par 4)
Besser links anspielen! Schlechte Lage Richtung Grün auf der 10 (Par 4)
Hcp 1. Was soll da schon passieren? … 😉 134/100 Meter auf das Grün der 11
Hinter uns der Graben, hoch oben vor uns das Grün der 12 (Par 5)
Das überraschende Ende der 14 (Par 5, Hcp 2)
Nerven behalten beim Teeshot auf der 15 (Par 5)
Einfach schön: Grün-Ensemble auf der 17 (Par 4)
Im Bogen am Teich entlang zurück zum Clubhaus auf der 18 (Par 4)

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