Auf 1.000 Metern Seehöhe liegt auf dem Obersalzberg oberhalb von Berchtesgaden der gleichnamige Golfclub. Mit herrlichem Blick auf Watzmann & Co! Wer annimmt, dass durch die Höhenluft die Bälle weiter fliegen, hat natürlich Recht. WOHIN sie fliegen, bestimmt ganz allein der Platz.
Fetzblauer Himmel, Septembervormittag, ich kurve von Berchtesgaden hinauf Richtung Obersalzberg. Sehr freundlicher Empfang im Sekretariat des ungewöhnlichen Clubhauses, das wohl aus den 1930er-Jahren stammt (siehe geschichtlicher Exkurs am Ende des Beitrags). Ich fasse ein Cart aus, jawohl, meine Recherchen im Vorfeld legten das nahe, und prompt stehe ich am ersten Abschlag und staune: Schilifte rechts von mir und vorne, vor mir ein steil nach links abfallender Hang, den ich als Fairway identifiziere. Heißa, blind sehr weit nach oben geschlagen, was sich als gut herausstellt, weil ich meinen Ball Mitte Fairway wiederfinde. Und ich stehe am Abgrund, tief unter mir ein winziges Grün hinter einem Bach, das aber mit dem zweiten Schlag zu treffen ist.
Wo ist hier das Fairway?
Auf der 2 könnte ich den Schilift links nehmen, wäre denn Winter, aber an diesem herrlichen Tag spiele ich tapfer das Par 5 aufwärts. Zwei blinde Schläge, die Fahne nicht zu sehen. Man schlägt also irgendwohin, wo man das Grün vermutet. Bei einer zweiten Runde helfen Platzkenntnisse hier ganz bestimmt. Der Blick vom Grün zurück ist atemberaubend (Titelbild)! Die 3 entspannt mich, sie läuft breit und der blinde Schlag Richtung Grün sei ihr verziehen. Aber was dann kommt, ist außergewöhnlich. Ich stehe am Tee und sehe das Gebirge im Hintergrund und saftiges Grün, vor mir einen nach links abfallenden Steilhang. Der Blick auf die Abschlagtafel sagt mir: genau dorthin muss ich spielen. Also sehr hoch rechts angehalten – und doch finde ich nach einigem Suchen meinen Ball etwa 25 Höhenmeter tiefer unten im abgeernteten Feld. Dort hinunter begebe man sich auf keinen Fall mit dem Cart, hatte man mich im Sekretariat schon gewarnt. Eine Idee, auf die ich ohnehin nicht im Traum gekommen wäre. Der nächste Schlag von dort also hoch hinaufgespielt und siehe da, fast das Grün erreicht. Lang ist Berchtesgaden nicht.
Der Watzmann ruft
Auf der 5 lässt mich ein Viererflight durchspielen. Wir schlagen alle ab in den Abgrund. Dort liegt hinter einem Teich und neben einer Liftstütze ein sehr, sehr kleines Grün, das ich tatsächlich treffe. Allein der Aufstieg zum Tee der 6 lohnt das Cart. Vor mir in der Ferne der Watzmann und ich summe leise einen adaptierten Ambros-Song vor mich hin: „Voda, Voda, loss mi ziagn, der Plotz i muass eahm untakriagn“. Wieder ein seitlich nach links hängender Hang, aber gegen die 4 ein Klacks. Rechts anhalten, wunderschönes Grün, wunderschöner Blick.
Auf dem Par 4 der 7 schlage ich hinunter in einen Trichter und von dort möglichst hoch hinauf in die Biegung der Bahn. Links von mir schon wieder Liftstützen. Mit dem Par 3 der 8 liegt eine ziemlich angenehme Bahn vor mir, die nach rechts hängt, was man aber nur bemerkt, wenn der Schlag Richtung Grün zu kurz gerät. Durch ein hübsches Waldstück fahre ich zur 9 und muss den Ball durch eine Schneise befördern, ehe es ziemlich eben und links vom Clubhaus vorbei zum Grün geht – mit der 1 im Hintergrund und den obligaten Schiliften.
Ich wäre gerne noch eingekehrt, aber die kleine Terrasse des Restaurants sieht verwaist aus, und so packe ich mein Zeug ins Auto und fahre weiter Richtung Zell am See.
Mein persönliches Fazit
Ganz ehrlich? Ich genoss auf diesem Platz die prachtvolle Landschaft, die Bergluft, die Ausblicke auf die Gebirge im Hintergrund und die Stille. Für das Golfspiel braucht man in Berchtesgaden viel … Humor. Unbedingt Cart nehmen, wirklich un-be-dingt.
Man kann nicht auf den Obersalzberg fahren, ohne sich mit dessen Geschichte zu befassen. Da, wo heute das Clubhaus des Golfplatzes untergebracht ist, befand sich in der NS-Zeit ein Musterlandwirtschaftsbetrieb mit Bäckerei, Schlachterei und Molkerei zur Versorgung des zweiten NS-Regierungssitzes. Nach dem 2. Weltkrieg übernahmen die Amerikaner und richteten ein Erholungszentrum für Soldaten ein. Neben anderen Freizeiteinrichtungen entstand auch der Golfplatz – der Club wurde 1955 gegründet.











