Irland, Teil 1: Carne Golf Links – am Ende der Welt, vor dem Friedhof rechts

Ich bin zum ersten Mal in Irland, und ehe ich mir das Land anschaue, spiele ich erst einmal fünf Tage lang Golf, ganz oben im Nordwesten rund um Sligo. Ich bin mit einer kleinen Gruppe, geleitet vom aus England stammenden Pro, unterwegs, der für uns die schönsten Plätze am Meer ausgesucht hat. Ich freue mich also auf Links Course pur: jene Plätze, die man einfach in der Dünenlandschaft entlang der Küsten angelegt hat. Keine Bäume, Dünen, weites Terrain, nur Gräser und ab und zu Ginster, Wind und das Geräusch der Wellen. 

Der erste Tag beginnt, wie ich mir Irland vorgestellt habe: grau, windig, leichtes Nieseln, etwa 14 Grad. Wir sind vom Hotel etwa eine Stunde hierher gefahren, vorbei an Schafen, grünen Flüssen und winzigen Dörfchen und jetzt irgendwo am Ende der Welt. Hier ist nichts mehr außer grasbewachsene Dünen und das Meer irgendwo. Und ein Friedhof, plötzlich, bei dem wir rechts abbiegen und gleich darauf etwas irritiert beim schlichten Clubhaus des Carne Golf Links parken. 27 Loch Links Course gibt es hier, Hackett mit 18, Kilmore mit 9, alle ohne jegliche Bagger oder Maschinen angelegt und einfach in die vorhandenen Dünen gebaut.

Wo geht’s hier zum Grün?

Wir sind heute noch die Einzigen hier, den Iren ist wohl das Wetter zu schlecht oder sie liegen schon auf dem Friedhof nebenan, hahahaaa, kalauern wir im ersten Flight – und verirren uns prompt. Steinige Wege führen steil bergauf oder bergab zu Abschlägen, von denen du genau nix siehst, außer: Dünen. Das hohe Gras wiegt sich im Wind und bietet wenig Orientierungshilfe. Die Golfuhr an der Hand zeigt unmögliche Entfernungen, am Abschlag steht 12 statt 2. Der im zweiten Flight nachkommende Pro findet und rettet uns und endlich sind wir auf Kurs.

Ich finde es ganz wunderbar hier! Sicher nicht jedermanns Sache, diese karge Landschaft. Aber mir weht der Wind um die Nase, ich atme die herrliche Luft, wir sind völlig allein hier, das Meer rauscht in der Ferne, Natur pur, und ich merke, dass mir auch der Platz liegt. Die Fairways schauen nicht besser aus als Grasboden, lassen sich aber sehr gut spielen. Das Rough ist natürlich böse und frisst Bälle ohne Ende, aber hauptsächlich von Longhittern und Slicern. Mit dem Driver auf den Ball zu hauen, ist hier nämlich nicht immer angesagt. Die Fairways verlieren sich hinter uneinsehbaren Windungen oder Kuppen (= Dünen). Auf dem Abschlag beraten wir fast jedes Mal, wo wir den Ball denn eigentlich hinschlagen sollen und raten, in welche Richtung sich die Bahn wohl winden könnte. Ein Caddie wäre toll oder zumindest ein Birdiebook, haben wir aber nicht. Nicht nur deshalb sind die Grüns, wenn du sie denn endlich siehst, eine Überraschung. Topgepflegt, gerade richtig schnell. Leider auch stark onduliert und oft erhöht, da rollt alles unweigerlich runter, was zu kurz oder zu lang war.

Die perfekte Welle

Nach 18 Loch sind wir alle so begeistert, dass wir nach einem Guinness und einem warmen Chowder (dicke, köstliche Fischsuppe) im Clubhaus auch die restlichen 9 Löcher anhängen. Jetzt kommt die Sonne durch die Wolken, und plötzlich sind auch ein paar Iren auf dem Platz. Das allerletzte Loch wird, nach unzähligen anderen wunderbaren, zu meiner Lieblingsbahn: Die 9 von Kilmore wellt sich scheinbar unendlich lange Richtung Clubhaus. Die Dünen sind so hoch, die dadurch entstehenden Wellen im Fairway so tief, dass nicht nur der Ball kurzzeitig verschwindet, sondern zwischendurch auch der Flightpartner. Keine Bagger eben, die hier irgendwas eingeebnet hätten. Und das ist ganz wunderbar so.

http://www.carnegolflinks.com

 

Ein Par 3 in den Dünen. So gut auf’s Grün sieht man sonst selten
Riesenwellen auf dem Fairway. Da verschwinden nicht nur Bälle, sondern auch Spieler. Mein Lieblingsloch, Kilmore 9
Parklandkurs-Fairway geht anders. Dieses hier ist aber sehr gut zu spielen!
Gras, Wind, Steine und ein Grün. Endlich.
Könnte bei uns auch ein Schihang sein, was das Gefälle betrifft…
Und manchmal muss als Fairway nur ein Streifen genügen
Zuletzt dann doch die Sonne

2 Kommentare zu „Irland, Teil 1: Carne Golf Links – am Ende der Welt, vor dem Friedhof rechts

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