Ryder Cup für Rookies – kleines Grundwissen über das mitreißendste, spannendste und emotionalste Golfevent der Welt!

Seit Monaten habe ich den Termin in meinem Kalender eingetragen: 24. – 26. September 2021. Da findet das wohl bedeutsamste Golfereignis der Welt statt: das Match der Kontinente, der Ryder Cup USA gegen Europa. Die besten Spieler der Welt und Emotionen pur. Alles über das Golfereignis des Jahres hier in Kurzfassung.

Auf Social Media überschlagen sich gerade Ankündigungen und Teamvorstellungen, von den Captains kommen erste Statements, und über die Stimmung in den Teams wird spekuliert. Es ist Ryder Cup-Time!

Auf vielen Golfrunden der letzten Wochen hab ich festgestellt, dass manche Golfer:innen dieses ganz besondere Turnier entweder gar nicht kennen oder noch nicht viel davon gehört haben. Das Interesse war aber groß, ich habe recherchiert und mich informiert und hier die Antworten auf die meistgestellten Fragen zusammengestellt.

Warum sollte man sich den Ryder Cup ansehen?

Ich spiele nicht nur selbst gern Golf, sondern schaue auch begeistert zu. Es gibt „normale“ Turniere jedes Wochenende, eines auf der PGA-Tour (USA) und eines auf der European Tour. Dann gibt es die großen Majors wie Augusta oder The Open. Die Atmosphäre, die Stimmung dort ist schon großartig – beim Ryder Cup kommt aber dazu, dass die Spieler nicht Konkurrenten sind, sondern in Teams antreten. Es ist ein Turnier der besten Spieler der Welt, aber vor allem eines der Emotionen. Ein Aspekt, den ich sehr mag. Die rührenden Szenen zwischen Tommy Fleetwood und Francesco Molinari in Paris 2018 werde ich nie vergessen! (Daraus entstand Moliwood, das „Traumpaar des Golfsports“. Googelt mal!)

„Unser Bernd Wiesberger“ – Foto: SimplyGolf

 

Warum ist der Ryder Cup heuer so besonders wichtig?

Weil erstmals in seiner Geschichte auch ein Österreicher mitspielt!

Bernd Wiesberger hat sich die Karte für den 43. Ryder Cup hart erkämpft und es war bis zum letzten Turnier Anfang September spannend. „Es ist anders als alles, was ich bisher spielen durfte“, sagt Wiesberger. „Man spielt normalerweise nur für sich – im Ryder Cup spielt man für sich selbst, das Team und den Kontinent.“

 

 

Was ist der Ryder Cup?

Die besten 12 Spieler aus USA und Europa matchen sich in einem Turnier über 3 Tage um die Trophäe, 1927 gestiftet von Samuel Ryder. Jedes Team hat einen Captain und mehrere Vicecaptains, die für die Aufstellung der Spieler zuständig sind, für ihre Betreuung und Motivation und daher maßgeblich für die Spielstrategie verantwortlich.

Gespielt wird abwechselnd auf Plätzen in den USA und in Europa. Dabei werden nicht wie üblich 4 Runden im Zählwettspiel gespielt, sondern Matchplay oder Lochwettspiel, bei dem der jeweils geringere Score je Loch zum Lochgewinn führt. Das kann zur Folge haben, das Matches nicht über 18 Loch gehen, sondern schon früher entschieden sind.

Der Spielmodus des Ryder Cups sieht drei Varianten vor: Zwei Team-Modi (Freitag & Samstag) und die so genannten Singles (Einzel) am Sonntag, die ich weiter unten genau erklärt habe. Und darum ist das Ganze besonders spannend.

Findet der Ryder Cup jedes Jahr statt?

Nein, im 2-Jahres-Rhythmus. 2018 saß ich gebannt vor dem Bildschirm und genoss die Stimmung in Paris. Europa gewann auch noch überlegen! 2020 wäre das nächste Jahr für die Austragung gewesen, aber wir wissen alle, was das verhindert hat. Darum ist der Ryder Cup 2021 eigentlich der von 2020.

Da der Ryder Cup grundsätzlich in ungeraden Jahren gespielt wird (erstmals 1927) wandert er nun in Rom (Ende September 2023) wieder dahin zurück: Zunächst brachte 9/11 im Jahr 2001 den Rhythmus durcheinander, jetzt sorgt die Pandemie wieder für die ursprüngliche Abfolge.

Foto: PGA Tour

 

Wo wird heuer gespielt?

Heuer also in den USA, auf dem Whistling Straits Golf Course, Wisconsin, designed von Pete Dye. Der Par 71-Platz liegt direkt am Lake Michigan, eigentlich auf einer Düne, und ist als Links Course gestaltet. Schaut fast aus wie ein Golfplatz in Irland. Er ist 6.757 Meter lang für die Profis und hat angeblich an die 1.000 Bunker. Wie üblich auf Linkskursen wird den Spielern hier ganz schön der Wind um die Nase wehen.

Wenn ihr euch den Platz genauer anschauen wollt: https://youtu.be/qP6eUQ31I-4

 

 

 

 

Wie wird man einer der 12 Spieler pro Team?

Die Spieler müssen sich über einen längeren Zeitraum qualifizieren und Bestleistungen abliefern. Die Amerikaner qualifizieren sich durch Preisgelder der PGA-Tour und Siege bei Major-Turnieren, die Europäer qualifizieren sich nach Geldrangliste und Golfweltrangliste. Weitere Spieler nominiert dann der jeweilige Captain (Captain’s Picks): diesmal 6 für die USA, 3 für Europa.

Wer spielt für Europa?

Paul Casey (GB), Matt Fitzpatrick (GB), Tommy Fleetwood (GB), Sergio Garcia (Spanien), Tyrell Hatton (GB), Viktor Hovland (Norwegen, Shane Lowry (Irland), Rory McIlroy (Nordirland), Ian Poulter (GB), Jon Rahm (Spanien), Bernd Wiesberger (A), Lee Westwood (GB)

Captain: Pádraig Harrington

Vice Captains: Luke Donald, Robert Karlsson, Martin Kaymer, Graeme McDowell, Henrik Stenson

 

 

 

Und wer kämpft im Team USA?

Daniel Berger, Patrick Cantlay, Bryson DeChambeau, Harris English, Tony Finau, Dustin Johnson, Brooks Koepka, Collin Morikawa, Xander Schauffele, Scottie Scheffler, Jordan Spieth, Justin Thomas

Captain: Steve Stricker

Vice-Captains: Fred Couples, Jim Furyk, Zach Johnson, Davis Love III, Phil Mickelson

 

 

 

 

Welche Aufgabe haben die Captains?

Sie stellen die Teams zusammen und setzen dabei die Stärken der Spieler so optimal wie möglich ein. Optimal bedeutet aber auch, dass die Chemie im Team stimmen muss und sich die Spieler so gut wie möglich ergänzen. Den Teampartner mental stärken, wenn er schwächelt, gehört dazu.

Jedes Team wird erst am Spieltag nominiert und es ist immer spannend, wer dann letztendlich wem gegenübersteht. An den ersten beiden Tagen sind jeweils nur 8 Spieler auf den Fairways. Der Captain kann also eine Auswahl treffen. Am letzten Tag müssen dann alle 12 Spieler antreten.

Was wird wann gespielt?

Donnerstag, 23.9.: Opening Ceremony!

Freitag, 24.9.: Morning Foursomes ab 14 Uhr, Afternoon Fourballs ab 19 Uhr (MEZ)

Samstag, 25.9.: Morning Foursomes ab 14 Uhr,, Afternoon Fourballs ab 19 Uhr (MEZ)

Sonntag, 26.9.: Singles ab 18 Uhr (MEZ)

           Foursome (Klassischer Vierer)

         8 Teams pro Kontinent, 2 Spieler im Team. Beide spielen abwechselnd denselben Ball. Spieler A schlägt ab, Spieler B spielt diesen Ball weiter usw. bis der Ball im Loch ist.

Strategie ist schon vor dem 1. Abschlag wichtig. Es wird festgelegt, wer an den geraden und wer an den ungeraden Bahnen abschlägt. Diese Entscheidung wird sich der Captain mit seinem Team recht genau überlegen. Je nachdem, wie die Par 3 und Par 5-Löcher situiert sind, kommt es z.B. darauf an, wer die längeren Abschläge hat, wer bessere Eisen aufs Grün spielt usw.

Fourball (Vierball-Bestball)

8 Teams pro Kontinent, 2 Spieler im Team. Hier spielt jeder der beiden Teampartner seinen eigenen Ball. Das bessere Ergebnis pro Bahn wird gewertet.

Singles

Am letzten Spieltag müssen alle 12 Spieler der beiden Teams auf die Runde. Jeweils ein USA-Spieler und ein Europa-Spieler treten im Lochwettspiel gegeneinander an.

Wie wird gezählt …?

Gespielt werden 28 Partien. Pro gewonnenem Match gibt es 1 Punkt, bei Gleichstand ½. Darum schauen Ryder Cup-Resultate so seltsam aus. 2018 gewann Europa etwa 17 ½ zu 10 ½ also ziemlich deutlich.

Jenem Team, das den Ryder Cup zuvor gewonnen hat, reicht ein „Unentschieden“, um die Trophäe zu verteidigen. Schafft Europa heuer also 14 Punkte, bleibt der Ryder Cup in Europa.

…  und was bedeuten die seltsamen Scores?

Lochwettspiel/Matchplay bringt auch unübliche Scores mit sich: Da Loch für Loch einzeln gewertet wird, heißt es während des Matches „up“ oder „down“ oder „tied“ („all square“). Ist jemand „3 up“ (3 auf), führt er mit 3 gewonnen Holes gegen seinen Kontrahenten.

Ist das 3 Loch vor Ende der Runde der Fall, heißt die Situation „dormie“ – das heißt: selbst, wenn der in Führung liegende „schläft“, kann er das Match nicht mehr verlieren. Das Schlimmste ist in dem Fall ein Unentschieden „all square“. Das bedeutet, jedes Team bekommt einen halben Punkt zugesprochen.

Ein Loch gewinnt man schlicht und einfach mit der geringeren Anzahl an Schlägen. Man kann ein Loch auch gewinnen, wenn der Kontrahent das Loch aufgibt (Loch wird „geschenkt“/conceeded). Lautet das Ergebnis 3&2 heißt das, der Sieger war 3 „up“, aber es sind nur mehr 2 Spielbahnen über.

Warum spielt das Publikum so eine wichtige Rolle?

Tausende Fans säumen beim Ryder Cup immer die Fairways und tragen „ihr“ Team über den Platz. Heuer wird Europa auf den großen Fan-Support verzichten müssen, weil eine Einreise in die USA nicht ohne weiteres möglich ist. Das ist auch deshalb schade, weil dem Event in diesem Fall ein wenig die Stimmung flöten geht. Die USA haben heuer also fast ein Heimspiel.

2018 wurde der Amerikaner Patrick Reed vom europäischen Publikum ausgepfiffen und mit unschönen Zurufen bombardiert – er lief darauf hin zu Höchstform auf. Damit müssen die Europäer also heuer rechnen (auch wenn ich persönlich das nicht sehr fair finde). Nervenstärke ist gefragt.

Wo kann man selbst zuschauen?

Auf Sky nur. Leider. Andere Sender haben keine Übertragungsrechte.

ABER: In der Facebook-GRUPPE SimplyGolf werden wir euch am Laufenden halten. Wir werden Scores posten und Highlights und den Spielstand und tolle Fotos und mitfiebern und Daumendrücken!

Allen Golffans aus Wien lege ich noch das Irish Pub THE LONG HALL ans Herz! Dort wird auf allen Screens jeden Tag von Freitag bis Sonntag Ryder Cup am Programm stehen. Sogar ein Pubquiz im Zeichen des Ryder Cups findet am Sonntag zur Brunch-Time statt. Veranstaltet wird das von Klaus Nadizar, Chefredakteur des Golfmagazins SimplyGolf, der einfach ALLES über den Golfsport weiß und mir so einiges über den Ryder Clup erzählt und erklärt hat, was in diesen Text eingeflossen ist (Ihr könnt also sicher sein, dass alle Infos hier stimmen 😉

Gretchenfrage: Wer wird gewinnen?

Darauf werden natürlich Wetten abgeschlossen. Auf beiden Seiten stehen absolute Weltklassespieler und es wird daher auf mentale Stärke ankommen und auf die Strategie. Der Fan-Support für die Europäer wird kaum vorhanden sein, da müssen sie durch. Und: Im Team der USA befinden sich 8 von 10 Topspielern der derzeitigen Weltrangliste. Dafür haben die Europäer mit Jon Rahm die derzeitige Nr. 1 der Welt auf ihrer Seite. Es wird spannend, so oder so. Bisher steht es in der Ryder Cup-History 26:14 für USA.

Daumendrücken kann man aber gemütlich zuhause. Falls ihr noch nie Golf im Fernsehen zugeschaut habt, dann tut es jedenfalls jetzt und holt auch eure nichtgolfenden Partner und Freunde dazu. Freuen wir uns auf spannende Tage!

Ausführliche Infos auf der offziellen Seite rydercup.com

5 Kommentare zu „Ryder Cup für Rookies – kleines Grundwissen über das mitreißendste, spannendste und emotionalste Golfevent der Welt!

  1. Bitte nicht zu vergessen: den Solheim Cup. Ladies Golf ist vielleicht nicht so medienwirksam. Aber immerhin haben die Europäerinnen einem überlegenen amerikanischen Team gezeigt, wo (Thors) Hammer hängt…

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