Golfen im Baskenland – Uraburu Golf: die genialen Wellen und Abgründe des José María Olazábal

Der Olazábal-Kurs auf dem Berg oberhalb von Bilbao macht richtig Spaß, wenn man geländegängiges Golf mag. Bei allem Design spielt man hier einen Platz in sehr schöner Natur, bekommt absolute Stille und eindrucksvolle Ausblicke ins Land.

Ich bin zum ersten Mal im Baskenland. Von hier stammt der Rioja, den wir am Abend bei unserer Pintxos-Tour getrunken haben, in der Hauptstadt Bilbao pulsiert das Leben und das Guggenheim Museum muss man unbedingt gesehen haben. Ein paar Runden Golf sollten auch drin sein. Heute: Uraburu Golf, der sich nicht entscheiden kann, ob er sich nicht doch lieber Ganguren Golf nennt, nach dem Berg, auf dem er liegt. Google Maps nennt ihn jedenfalls so. Die Gegend ist hügelig, das Meer ein Stück weit weg, und mein Taxifahrer ist einer der wenigen, die hier Englisch sprechen. Die Fahrt geht etwa 20 Minuten aus der Stadt über viele Kurven durch Wälder hier herauf. Im Clubhaus nimmt man den Lift ganz hinunter und landet in einer Cartgarage, in deren Ecke sich das winzige Sekretariat befindet. Ein Cart für mich, ja, ich habe in Internetbewertungen etwas von langen Wegen und etwa 400 Höhenmetern gelesen.

Kein Wasser, „nur“ Wellen und Abgründe

Selbstverständlich gehen die Mitglieder den Platz zu Fuß und winken mich am Abschlag der 1 schon mal durch. Stress. Ich sehe auf dem Par 4 kein Fairway unter mir, es geht bergab, deutlich nach links abfallender Hang, links Büsche, rechts Wellen und Gruben. Schlag 1 in die Hügel rechts, Schlag 2 blind hinunter, erfreulicher Weise finde ich den Ball vor dem Grün. Die Einheimischen winken erfreut. Dann das einzige Wasser-Loch des Platzes, ein kurzes Par 3 und danach der Abschlag in eine sehr schmale Schneise auf der 3. Ich bin nicht nur deshalb verwirrt, sondern auch, weil die Garmin auf meinem Handgelenk scheinbar verrückt spielt. Tut sie nicht, man hat hier wohl das Routing verändert und startet jetzt auf der ehemaligen 10.

Der zweifache Masters-Sieger José María Olazábal hat den Platz entworfen, wie die Website stolz vermerkt und „durch die Kombination enger Fairways mit abfallendem Gelände eine anspruchsvolle Herausforderung geschaffen“. Besser könnte ich es nicht ausdrücken. Ich halte mich streng rechts auf der 5 und trotzdem rollt der Ball auf dem steilen, knochenharten Boden nach links hinunter in den Bunker. Wieder hat man mich freundlich durchspielen lassen – die Herren suchen derweil ihre Bälle auf dem Nachbarfairway links unten… Ähnliches auf der spektakulären 7, von deren Grün man dann einen wunderschönen Ausblick hat. Das Dogleg der 8 biegt vom Tee aus blind nach links und auf der 9 wellt sich das Fairway Richtung Grün, das unterhalb des Clubhauses liegt und überall auf den offiziellen Fotos vom Platz zu sehen ist.

Langer Roll und Grüns ohne Pitchmarken

Weit ist der Weg zur 10, es geht bergab die nächsten Bahnen, man spielt mitten in alten Eichen und Nadelbäumen. Jetzt Anfang September sind die Fairways ausgetrocknet von der Sommerhitze, was mein Spiel aber nicht stört. Wir sind eben in Spanien. Wer einen absolut grünen Platz mag, muss im Frühjahr herkommen. Wunderbar (gepflegt) sind die Grüns samt Umgebung und keine einzige Pitchmarke zu sehen, was wohl an der Disziplin der hier Golfenden liegt. Noch mehrmals sollte ich freundlich durchgewunken werden als Einzelspielerin mit Cart. Das hätte ich mal gern anderswo.

Nach der anstrengenden 11 bergab, das kurze Par 3 der 12 mit Hcp 1 zur Erholung, und man genießt den Blick ins Land. Großartig die 14, die breit beginnt, wunderschöne Wellen hat und am Ende eine kreativ designte Bunkerlandschaft, der ich wie durch ein Wunder ausweichen kann. Überhaupt: Ich habe ein höheres Hcp, spielt aber hier keine Rolle. Die Bahnen sind – auch durch das starke Gefälle – nicht allzu lang, die Bälle rollen weit und wenn man sich vor dem Schlag genau überlegt, wo der Ball hinsoll (und der Schlag gelingt), kommt man gut durch. Streuen wäre viel schlimmer. Etwa auf dem Dogleg der 17, wo im Knie rechts Ungemach in Form von Grasgruben droht und links das Aus. Oder auf der 18, die erst bergab, dann bergauf durch eine Waldschneise führt, ehe sie auf dem erhöhten Grün endet.

Mein persönliches Fazit

Ein Hammer-Platz! Auf den man sich halt einfach einlassen muss. Achtung bei der Golfuhr: Der Platz startet auf der alten 10. Ein Cart würde ich schon wegen der sehr langen Wege zwischen den Bahnen empfehlen und die Steigungen sind auch nicht ohne. Bitte keinen Luxus à la Südspanien erwarten: Proshop gibt es praktisch keinen, man kriegt aber Bälle, Tees und Handschuhe im Sekretariat. Schöner Blick aus dem Clubhaus.

www.uraburugolf.com

Demnächst hier: Mearztegi und Biarritz!

Start auf der 1: Fairway? Kaum. Ein winziges vor dem Grün, rechts nur Welliges auf diesem Par 4
Sehr kurz vom roten Tee, die 2
Schneise am Start zur 3, danach geht’s nach links.
Rechts halten auf der 5! Und trotzdem rollt der Ball in den Bunker. Wenn man Glück hat (Par 5)
Feinste Grüns ohne jede Pitchmarke!
Blick zurück auf die spektakuläre 7
Tee-Blick auf das Dogleg der 8
Das Par 5 der 9 mit dem erhöhten Grün unterhalb des Clubhauses
Steil bergab auf der 11. Die Trockenstellen sind kein Hindernis, die Bunker vor dem kleinen Grün schon.
Das Grün der 12 erreicht man leicht mit einem Schlag. Das leichteste Loch, Par 3, eh klar
Die 14 fängt fein an, mit langem Roll über die Wellen…
… und wird am Ende knifflig.
Bergab, Dogleg, auf der Tafel hat man das Wasser glatt vergessen 😉 Das Par 4 der 16
Schöner geht nicht. Grün der 16 erfolgreich erreicht.
Bergauf, Dogleg, Wellen, Bunker und Abgründe auf der 17
Wie ein S schlängelt sich das Par 5 der 18 erst bergab, dann bergauf zum erhöhten Grün.

 

Ein Kommentar zu „Golfen im Baskenland – Uraburu Golf: die genialen Wellen und Abgründe des José María Olazábal

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